Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Exquisites Silber in Celle vereint
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Exquisites Silber in Celle vereint
17:49 26.09.2013
Deckelbecher Silber, - teilweise vergoldet Evert Kettwyck, Hamburg, - ca. 1641 Höhe: 37,5 cm Quelle: De Danske Kongers Kronologiske Samling/ Königlich Dänische Sammlungen
Celle Stadt

Man spürte förmlich die knisternd-spannende Atmosphäre im Celler Residenzmuseum, als Deborah Lambert, Kuratorin der Londoner „Schroder Collection“, einer der größten Privatsammlungen europäischen Renaissancesilbers, die unscheinbare Holzkiste öffnete, mit der sie die Reise nach Celle angetreten hatte. Museumsleiterin Juliane Schmieglitz-Otten und Restauratorin Nicole Bogdahn verfolgten mit glänzenden Augen, wie Lambert peu à peu einen wahren Schatz enthüllte: Ein exquisiter Renaissance-Pokal, dessen Ursprünge bis ins späte 15. Jahrhundert zurückreichen und der als kostbarste Schatzkammerobjekt Georg Wilhelms (1624-1705) das Herzstück der welfischen Silberkammer im Celler Schloss bildete. Diese befand sich in einem durch Torwächter geschützten Bereich. Bis in das 20. Jahrhundert blieben die überwiegend hochkarätigen Stücke noch vereint. Nach dem Ende der Celler Residenzzeit 1705 wurden die Silberbestände nach Hannover überführt. Während der Personalunion zwischen Hannover und Großbritannien (1714–1837) befanden sie sich in England. Mit dem Ende des Königreichs Hannover 1866 und der damit verbundenen Übersiedlung Georgs V. nach Wien gelangten sie nach Österreich und wurden dort 1924 verkauft. Hier erwarb der in London tätige Hamburger Bankier Bruno Schroder unter anderem dieses in der Literatur als „schönsten erhaltenen Antwerpener Pokal“ der Renaissance beschriebene Prunkstück aus der einstigen Silberkammer der Celler Herzöge.

„Er ist zurück“, strahlte Schmieglitz-Otten: Mit diesem und vier weiteren Pokalen komme authentisches Inventar aus der Blütezeit der Residenz nach dreihundert Jahren – wenn auch zwei von ihnen nur leihweise und vorübergehend – wieder an den Ursprungsort zurück. Darunter auch ein silberner Deckelbecher mit dem Wappen Herzog Christian Ludwigs von Braunschweig-Lüneburg (1622-1665). Solche Präsente dienten damals gleichermaßen dem Vergnügen wie der herrschaftlichen Repräsentation. Dieser in seiner Form eher schlichte, aber aufwendig gestaltete und meisterhaft gefertigte Becher wurde vermutlich um 1642 anlässlich eines Turniers in Hildesheim hergestellt und ist heute Teil der Königlich Dänischen Sammlungen in Schloss Rosenborg in Kopenhagen. In einem eingravierten amüsantem Reim, der sich den als „Ringrennern“ bezeichneten Turnierwettkämpfern widmet, preist der Urheber einerseits die Wirkung des Weins und ermahnt gleichzeitig zur Mäßigung.
Bgleitveranstaltungen:
Freitag, 18. Oktober, 17 Uhr
„Unterthänigst überreicht…“?
Drei frühbarocke Huldigungspokale der Celler Herzöge
und ihre durchaus eigenwillige Geschichte
(Juliane Schmieglitz-Otten)
Freitag, 15. November,
17 Uhr
„Wer mich mit gutem wein, Einmahl allein austrinckt der
wirdt gantz anderst sein“
Ein Silberbecher für Herzog Christian Ludwig
(Barbara Riegger)
Freitag, 13. Dezember,
17 Uhr
„Einer der schönsten
Antwerpener Pokale“
Ein Meisterwerk der
Goldschmiedekunst der Renaissance aus dem Besitz der Celler Herzöge
(Juliane Schmieglitz-Otten)
Karten: jeweils
14 Tage vorher an der Museumskasse erhältlich.
Die Teilnehmerzahl ist auf
25 Personen beschränkt.
Kosten: 8,50 Euro.
Reservierung unter
(05141) 12373 (dienstags bis sonntags, 10 bis 16 Uhr)
Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags, 10 bis 17 Uhr, Öffnungszeiten an Feiertagen können abweichen.
Museumseintritt ohne Führung: Erwachsene
5 Euro, Kinder und Jugendliche bis 14 Jahren sowie Schüler haben freien Eintritt.

Von Rolf-Dieter Diehl