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Celle Stadt „FDP nicht wiederzuerkennen“: Bode optimistisch vor Hamburg-Wahl
Celle Aus der Stadt Celle Stadt „FDP nicht wiederzuerkennen“: Bode optimistisch vor Hamburg-Wahl
23:26 06.02.2015
Von Klaus Frieling
Jörg Bode (FDP) beim CZ-Interview. Quelle: Klaus M. Frieling
Celle Stadt

„Wer in der Hansestadt nicht Rot-Grün will, der muss FDP wählen“, sagt der Celler Politiker im CZ-Interview. „Wir sind nicht die Wirtschaftslibertären, sondern der letzte Vertreter der sozialen Marktwirtschaft!“ Wie freiheitlich das Gesellschaftsbild einer Partei sei, zeige sich immer bei deren steuerpolitischen Konzepten, sagt Bode. Und verweist dann noch auf die aus der Wirtschaft kritisierte personalintensive Dokumentationspflicht beim von der großen Koalition beschlossenen Mindestlohn.

Nach dem Dreikönigstreffen mit einer kämpferischen Rede von Parteichef Christian Lindner habe die FDP neu Fahrt aufgenommen, schildert Bode die innerparteiliche Stimmung. „Der Wechsel von der Regierung in die Opposition vor zwei Jahren war schon eine große Umstellung“, blickt er zurück auf eigenes Erleben. „Aber ich bin mittlerweile angekommen. Münteferings Aussage würde ich jedenfalls nicht unterschreiben“, spielt er auf die Worte des damaligen SPD-Chefs Franz Müntefering an, Opposition sei Mist. „Wir sind von den Wählern mit der Rolle beauftragt worden, die Landesregierung zu kontrollieren – manchmal auch zu piesacken. Und es gelingt uns manchmal auch, die falsche Richtung der Regierung zu korrigieren.“

„Klar haben wir nicht gefeiert, als die FDP aus dem Bundestag rausgeflogen ist. Aber wir haben den Kopf auch nicht in den Sand gesteckt.“ Das schlechte Bild seiner Partei, das zum Rauswurf aus dem Bundestag führte, habe die gesamte frühere Bundestagsfraktion zu verantworten gehabt, zieht Bode Bilanz des Scheiterns. „Die Intonierung war falsch, nicht unser Programm.“ Es habe damals kein Mannschaftsspiel der Liberalen gegeben – „das hat sich jetzt komplett verändert“.

Seine Liberalen hätten stattdessen eine Leitbilddiskussion begonnen: „Aus der gefühlten Leere nach schlechten Wahlergebnissen heraus haben wir uns gefragt: Was ist unser Ziel?“ Der folgende inhaltliche Klärungsprozess habe Partei und Mitgliedern gut getan. Angesichts vieler Indiskretionen zuvor habe er es nicht für möglich gehalten, wie sich seine Parteifreunde intern mit der Frage nach dem richtigen Kurs auseinandersetzten, ohne unterschiedliche Auffassungen gleich an die große Glocke zu hängen. „Da ist die Partei nicht wiederzuerkennen“, freut sich Bode über die neue Eintracht. Und gibt zu: „Das hat natürlich auch damit zu tun, dass das Interesse der Medien an FDP-Präsidiumssitzungen nachgelassen hat.“

So wie allgemein das Interesse der Bevölkerung an der FDP. Im aktuellen Hamburger Wahlkampf setzt die FDP deswegen auch auf unkonventionelle Methoden. Wie etwa Hausbesuche: Potenzielle Wähler sollen angesprochen und zum Wahlgang motiviert werden. Für Bode ist das eine ganz neue Erfahrung: „Ich hätte nicht gedacht, dass ich mal am Lagerfeuer über die FDP rede.“

Rund 100 FDP-Mitglieder aus Niedersachsen helfen den Parteifreunden in Hamburg beim Wahlkampf – die dortige Partei ist durch den Austritt von rund 100 Aktivisten zusätzlich geschwächt, die sich in der Hansestadt als „Neue Liberale“ abgespalten haben. Erschrecken ihn Austritte wie der des ehemaligen Papenhoster Parteioberen Ralf Überheim? „Reisende soll man nicht aufhalten“, zuckt Bode die Schultern. Und auch der Aderlass an Mitgliedern durch die „Alternative für Deutschland“ (AfD) schreckt ihn nicht: „Die haben inhaltlich einen Schwenk in eine komplett andere Richtung gemacht, pflegen jetzt Ressentiments.“

Als „Schicksalswahl“ will er für den Wahlgang in Hamburg jedenfalls nicht gelten lassen: „Ich habe in meinem politischen Leben bereits 20- bis 30-mal Schicksalswahlen erlebt“, sagt Bode. Und baut vor: „Wenn Hamburg nicht gut geht, geht das Leben trotzdem weiter – auch bei der FDP.“ Trotzdem wird der Celler am kommenden Wochenende vielleicht in Hamburg sein, um mit den in aktuellen Umfragen mit gut fünf Prozent taxierten dortigen Parteifreunden unter Spitzenkandidatin Katja Suding den Wahltag durchzustehen. „Falls ich hinfahre, werde ich dort eine ganze Menge Niedersachsen treffen“ – und alle fiebern mit.