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Celle Stadt FLI Celle hat Programm gegen Schwanzbeißen entwickelt
Celle Aus der Stadt Celle Stadt FLI Celle hat Programm gegen Schwanzbeißen entwickelt
10:58 25.07.2017
Von Dagny Siebke
Celle Stadt

Wenn ein Schwein sich freut, dann rollt es den Ringelschwanz hoch oder wackelt damit. Doch vielen Tieren in der Massenproduktion ist dieses Glück verwehrt, denn ihnen wurde oft der Schwanz schon eine Woche nach der Geburt kupiert. Zur Sicherheit, denn in Mastställen ist Schwanzbeißen ein häufiges Problem.

"Schweine erkunden alles mit ihrem Maul und ihrer Schnauze. Wenn es im Stall wenig andere interessante Dinge gibt, beißen Schweine schon mal in die Schwänze, die vor ihrer Nase hängen", erklärt Dr. Sabine Dippel vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI). Wenn der angeknabberte Schwanz dann noch zu bluten anfange, werde es für die Tiere noch interessanter und das arme betroffene Schwein leide noch mehr. Dippel ist Projektleiterin und hat mit ihren Kollegen dagegen das Schwanzbeiß-Interventions-Programm (SchwIP) entwickelt.

Eigentlich schreibt eine EU-Richtlinie vor, dass bei Schweinen die Schwänze nur kupiert werden dürfen, wenn es Probleme im Stall gibt. "Doch leider ist die Ausnahme zur Regel geworden", erläutert Dippel.

Deshalb lobte Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer (Grüne) im Juli 2015 die "Ringelschwanzprämie" in Höhe von 16,50 Euro aus. „Denn der intakte Ringelschwanz ist ein anerkannter Indikator für Tierwohl in der Schweinehaltung. Ist der Schwanz unversehrt, ist auch die Haltung tiergerecht", so Meyer damals.

"Die Schweine fangen an, sich gegenseitig in den Schwanz zu beißen, wenn sie überfordert sind", erläutert Dippel. "Wenn ich als Masttier jeden Tag 800 Gramm an Gewicht zulegen muss und mein Futter ein paar Minuten zu spät kommt oder mir kalt ist, bin ich schnell frustriert und suche mit Maul und Schnauze einen Ausweg."

Das Schwanzbeißen wird durch das Zusammenspiel vieler Faktoren verursacht. "Aus diesem Grund gibt es keine Standardlösung, sondern jeder Betrieb muss individuell Risiken reduzieren", betont Dippel. Bereits seit 2011 entwickelt das FLI das SchwIP für Berater und Tierärzte. Bei einem Betriebsbesuch wird ein individuelles Risikoprofil erstellt. Die Daten hierfür werden in einem Interview und einer Stallbegehung erhoben und mittels Software in einem Bericht zusammengefasst, der die Stärken und Schwächen des Betriebes aufzeigt. Es werden Ziele und Maßnahmen abgesteckt und diese werden beim nächsten Besuch kontrolliert und angepasst.

"Die größten Risikofaktoren sind, dass die Tiere häufig krank werden und ihnen das Getreide nicht richtig schmeckt", erzählt Dippel. Zudem müsse man den Schweinen alternative Beschäftigungsmöglichkeiten bieten und diese mindestens einmal am Tag ändern. Als Beispiel nennt die Wissenschaftlerin Luzerne-Heu, Beißsterne und Bälle. Mehr Platz und Auslauf, um als Schwein "zumindest mal den Himmel sehen zu können", so Dippel.

Mehr Infos unter Telefon (05141) 3846200 oder per E-Mail sabine.dippel@fli.de