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Celle Stadt „Fachwerkbau ist Celler Tradition“
Celle Aus der Stadt Celle Stadt „Fachwerkbau ist Celler Tradition“
18:04 09.06.2011
Von Michael Ende
Celle Stadt

Mit „Interesse“ habe der Kulturkreis Fachwerk im Celler Land die beim jüngsten „Stadtgespräch“ geäußerte Forderung zur Kenntnis genommen, die bewährte Celler Gestaltungssatzung zu liberalisieren, historische Architektur in die Moderne umzusetzen und so einen „spannungsreichen Dialog“ stattfinden zu lassen, so der Vorsitzende Dietrich Klages. Ihn reizt es, dass vor allem das C&A-Gebäude kritisiert wurde, dessen Architekten durch die Celler Gestaltungssatzung auf den Holzweg gebracht worden wären.

Die Celler Bürger und Stadtverantwortlichen seien sich in den vergangenen rund 100 Jahren der Besonderheit ihrer Fachwerkstadt stets bewusst gewesen, was sich im Celler Stadtbild eindrucksvoll widerspiegele, so Klages: „Erst recht in der Nachkriegszeit, als Celle wie durch ein Wunder den Bombenzerstörungen so vieler anderer deutscher Altstädte entkam, ist dieses Bewusstsein geschärft worden. Das drückte sich in Celle in über fünf Jahrzehnten konsequenter Stadtplanung nach 1945 aus, wobei den notwendigen Neubauten in der Altstadt selbstverständlich wieder Fachwerkfassaden gegeben worden sind.“ Stadtrat und Öffentlichkeit seien sich in dieser Frage der bewusst traditionellen Denkmal- und Stadtbildpflege einig gewesen, sagt Klages: „In der Celler Altstadt konnten selbst große Kaufhäuser mit einer Fachwerkfassade harmonisch ins Stadtbild eingepasst werden, nicht nur das kritisierte C&A-Gebäude, sondern auch das Kepa-Kaufhaus - jetzt Drogeriemarkt Müller. Bei diesem stilangepassten Neu- und Weiterbauen stand immer die gewollte Einpassung in die Fachwerkstadt als überragend wichtiges Kriterium im Vordergrund.“ Beide Kaufhäuser seien unaufföllig, lobt Klages: „Gerade diese wohltuende Selbstbescheidung ist die besondere architektonische Leistung und keinesfalls ein Holzweg.“

Wenn die deutschlandweit „einzigartig lange und erfolgreiche“ Fachwerk-Stadtbild-Pflege in der Celler Altstadt von nun an ohne Not zugunsten eines „spannungsreichen Dialogs“ mit Liberalisierung und Betonung der Moderne aufgegeben werde, würde dem Stadtbild „unumkehrbarer Schaden zugefügt“, befürchtet Klages: „Ein Neubau in der Altstadt muss aus meiner Sicht nicht zwingend in Fachwerkbauweise ausgeführt werden, aber er muss in seiner Nachbarschaft Partner sein, nicht Konkurrent. Ein Neubau sollte sich in historischer Umgebung nicht herausheben, sondern harmonieren und sich einfügen, um Teil des Ensembles zu werden. Er sollte nicht Kontrast und Distanz betonen, sondern Kontinuität und Verschmelzung mit dem Vorhandenen suchen. Für dieses Verständnis von Miteinander beim neuen Bauen im Bestand bietet übrigens die Website des Förderprogramms Städtebaulicher Denkmalschutz, www.staedtebaulicher-denkmalschutz.de, in dessen Rahmen ja momentan alle Celler Überlegungen stattfinden, viele gelungene Lösungen an.“

Bauwerken, die Jahrhunderte überstanden haben, sollte man mit Respekt begegnen, wenn man ihnen etwas an die Seite stelle, so Klages: „Und warum sollte eigentlich unsere bodenständige geniale Fachwerktradition nicht auch fortgesetzt werden können? Heute sind Fachwerkhäuser wieder modern, und so erlebt auch der Fachwerkneubau eine Renaissance. Eine solche Bautradition ist vorwärtsgewandt, denn sie verkörpert für den heutigen Menschen den immer wichtiger werdenden Wunsch von Nachhaltigkeit, Ökologie und Wiederverwendbarkeit. Fachwerk braucht Holz, Kalk und Lehm und ist baubiologisch gesund. Wäre diese zukunftsweisende Wiederbelebung alter Bauweisen nicht ein lohnendes Arbeitsfeld für die Fachwerkakademie in Celle? Das wäre in der Tat eine bemerkenswert fortschrittliche und mutige Ausrichtung, mit der sich Celle auch für die Zukunft einen Namen als Fachwerkstadt machen könnte.“