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Celle Stadt Falscher Alarm kann Leben kosten
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Falscher Alarm kann Leben kosten
17:02 10.02.2012
Besuch in der BOS-Leiststelle Quelle: Peter M¸ller
Celle Stadt

Wer im Landkreis Celle die Nummer 112 wählt, der landet bei Martin Kuchinke und seinen Kollegen in der Feuerwehreinsatz- und Rettungsleitstelle des Landkreises Celle. Rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr sitzen hier Menschen am Telefon, um anderen Menschen zu helfen. Geht ein Notruf ein, muss innerhalb kürzester Zeit erfragt werden, was und vor allem wo etwas geschehen ist, welche Verletzungen vorliegen und wie viele Personen beteiligt sind. Im Ernstfall wird noch während des Telefonats ein Rettungswagen oder die Feuerwehr losgeschickt, die innerhalb von drei Minuten ausrücken und in 15 Minuten vor Ort sein müssen: „Das ist gesetzlich vorgeschrieben und muss in 95 Prozent aller Notfälle eingehalten werden“, erzählt Kreis-Ordnungsamtsleiter Eckhard Ferg, der für die Leitstelle zuständig ist. Seit 1991 gilt die 112 als zentrale Notrufnummer in allen Ländern der EU, aber auch in Ländern wie Israel und Südafrika. Heute vor drei Jahren wurde der Europäische Tag des Notrufs vom Europäischen Parlament eingeführt.

Problematisch wird es immer dann, wenn die 112 vorsätzlich missbraucht wird. Und das passiert nicht selten, wie Ferg berichtet: „Neben 400 ernst gemeinten Notrufen haben wir etwa 160 missbräuchliche Anrufe am Tag – etwa wenn Schüler mit ihrem Handy anrufen und ins Telefon schreien.“ Insgesamt werden im Landkreis Celle 30.000 Einsätze im Jahr gefahren, zur Hälfte Rettungsdienste und Krankentransporte. Dazu kommen etwa 1100 Feuerwehreinsätze. Wird der Notruf 112 benutzt, um sich einen Scherz zu erlauben, dann behindert das nicht nur die Arbeit der Leitstelle und blockiert die Telefone für wirkliche Notrufe, sondern kann im schlimmsten Fall auch Menschenleben kosten. Ferg sagt: „Wir könnten theoretisch jeden vorsätzlich falschen Anruf zur Anzeige bringen, aber das tun wir nicht. Da ist schon Fingerspitzengefühl gefragt. Täuscht jemand aber bewusst einen Brand oder einen Unfall am Telefon vor, die Wagen rücken aus, dann kommt auf den Anrufer mit Sicherheit ein deutliches Gerichtsverfahren zu.“

Die Mitarbeiter in der Leitstelle werden Disponenten genannt und müssen alle über eine Ausildung zum Rettungsassistenten verfügen und mindestens Zugführer bei der Feuerwehr sein. In Celle arbeiten zwölf von ihnen, eingeteilt in jeweils vier Teams.

Wer einen Vorfall zu melden hat, aber unsicher ist, sollte nicht zögern: „Lieber einmal zu viel die 112 anrufen, als einmal zu wenig. Aber auf keinen Fall, um zu scherzen“, sagt Kuchinke.

Von David Sarkar