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Celle Stadt Falsches Spiel mit Celler Förderschule?
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Falsches Spiel mit Celler Förderschule?
19:20 10.06.2016
Von Gunther Meinrenken
Die Erich-Kästner-Schule in Garßen soll an die Lebenshilfe verkauft werden. Kommende Woche will der Kreistag darüber entscheiden. Doch nachdem die Galgenfrist für die Förderschule um ein Jahr verlängert wurde, dürfte es mit dem Verkauf nicht mehr so einfach werden. Quelle: Peter Müller (Archiv)
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Niebuhr entgegnete im Ausschuss, dass es keinen Vertragsentwurf gebe, solange die Gremien nicht über den Verkauf entschieden hätten, und suggerierte damit, dass man noch immer tief in den Verhandlungen mit der Lebenshilfe stecke. Doch Niebuhr hat nicht alle Informationen preisgegeben, über die er – und auch viele Ausschussmitglieder – verfügte. Denn kommende Woche sollen der Kreisausschuss und der Kreistag über den Verkauf der Schule an die Lebenshilfe entscheiden.

Dass die Verhandlungen in Teilen schon recht weit gediehen sind, macht zum Beispiel deutlich, dass sich beide Seiten bereits auf einen Verkaufspreis geeinigt haben. 590.000 Euro soll die Lebenshilfe für die Erich-Kästner-Schule bezahlen. So steht es in der Vorlage für die nächste Sitzung des Kreisausschusses am kommenden Dienstag, 14. Juni. Einen Tag später soll das Geschäft von Seiten des Landkreises im Kreistag besiegelt werden. Hat der Landkreis bei den Schließungsplänen doch eher den Verkauf des Gebäudes in den Vordergrund gestellt?

Kreisrat Niebuhr argumentierte, dass die Landesschulbehörde die Ansicht des Schulamts stütze. Demnach ergebe eine Schließung aus „pädagogischer Sicht“ Sinn, da sich ab dem Schuljahr 2017/2018, zu wenig Schüler auf der Erich-Kästner-Schule befinden würden, um ein hochwertiges Bildungsangbot vorzuhalten. Dieses könne durch Konzentration der Schüler in der Pestalozzi-Schule aufrechterhalten werden. Doch der Schulausschuss folgte der Kreisverwaltung nicht, hielt die Schülerzahlen noch für ausreichend und will die Schule erst ein Jahr später, also zum 1. August 2018 schließen.

Das dürfte der Spitze der Kreisverwaltung um Landrat Klaus Wiswe gar nicht schmecken. Denn der Landkreis hat sich nun zwei Probleme selbst geschaffen: Die Eltern der Erich-Kästner-Schule können wegen der zurückgehaltenen Informationen nun erst recht argwöhnen, dass mit ihnen ein falsches Spiel gespielt wurde. Und außerdem könnte der Verkauf des Gebäudes in Gefahr geraten.

Der Geschäftsführer der Lebenshilfe, Clemens M. Kasper, erklärte gegenüber der CZ, dass man die Erich-Kästner-Schule schon gerne zum 1. August 2017 gehabt hätte, um mit der hauseigenen Comenius-Schule und dem Heilpädagogischen Kindergarten mit insgesamt 140 Kindern nach Garßen umzuziehen. „2018 ist kein idealer Zeitpunkt“, so Kasper. Das Gebäude müsse für die Belange der Lebenshilfe noch umgebaut werden. Ein halbes Jahr rechnet Kasper dafür ein. Würde ein Kauf erst zum August 2018 greifen, kann der Umzug also erst Anfang 2019 über die Bühne gehen. Der Mietvertrag für die aktuellen Räumlichkeiten laufe aber nur bis 2018.

Kreisrat Niebuhr hat das Dilemma erkannt. „Vielleicht hätte man anders mit den Informationen umgehen sollen“, erklärte er zwei Tage nach der Sitzung des Schulausschusses. In der kommenden Woche werde im Kreisausschuss zuerst über die Schließung der Erich-Kästner-Schule abgestimmt. Sollte die Politik bei ihrem Termin Mitte 2018 bleiben – alles andere würde die Glaubwürdigkeit der Schulausschussmitglieder schwer erschüttern – würde ein Beschluss über den Verkauf an die Lebenshilfe erst einmal keinen Sinn mehr machen und von der Tagesordnung genommen. „Dann müssen wir mit der Lebenshilfe weitere Gespräche führen“, so Niebuhr.