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Celle Stadt Familie erhebt schwere Vorwürfe gegen Lebenshilfe Celle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Familie erhebt schwere Vorwürfe gegen Lebenshilfe Celle
15:34 16.03.2017
Von Christian Link
Mutter Andrea und Schwester Jacqueline sind froh, dass Dennis jetzt bei der Lobetalarbeit gut aufgehoben ist. Quelle: Christian Link
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„Unser Dennis ist da im Grunde groß geworden, aber jetzt musste ich ihn da rausholen, damit er nicht untergeht“, sagt seine Mutter Andrea Grüttner. Im Januar habe Dennis die Lebenshilfe verlassen. Grüttner: „Jetzt, wo er zur Lobetalarbeit gewechselt ist, blüht er auf.“

„Ich hätte nie gedacht, dass ich den Jungen da mal rausnehmen würde“, sagt Grüttner. Schließlich sei ihr 36-jähriger Sohn bei der Lebenshilfe mehr als 30 Jahre lang gut betreut worden. Seit etwa eineinhalb Jahren hätten sich aber immer mehr Probleme eingestellt. Zunächst habe es Streit um den Toilettengang gegeben. Dennis habe sich in der Einrichtung mehrfach eingenässt, obwohl er zu Hause eigenständig aufs Klo gehe. „Nachdem wir uns mit den Betreuern darüber gestritten haben, ist das aber nie wieder vorgekommen“, erzählt Grüttner.

Dafür folgte der Ärger um eine Gehhilfe. „Nach einem Sturz habe ich gesagt, dass Dennis auch in der Lebenshilfe mit Rollator geht“, sagt Andrea Grüttner. Als ihn seine Schwester Jacqueline und sein Stiefvater Klaus Dieter in der Tagesförderstätte besuchten, habe der Rollator aber ungenutzt in der Ecke gestanden. Die Familie ist sich sicher, dass die Betreuer ihrem Dennis die Gehhilfe verweigerten. „Die Erzieher wollten wohl nicht, dass Dennis ihnen hinterherrennt“, mutmaßt die Mutter. Die Lebenshilfe widerspricht: „Der Rollator stand jederzeit zur Verfügung und konnte nach Bedarf genutzt werden“, sagt Geschäftsführer Clemens Kasper.

Doch es geht nicht nur um den Rollator. „Die Betreuer gehen sehr grob mit den Behinderten um“, sagt Klaus Dieter Grüttner nach mehreren Besuchen in der Tagespflege. Häufig habe er auch gar keine Mitarbeiter angetroffen oder zumindest nicht mit ihnen sprechen können. „Die sind regelrecht vor uns geflüchtet“, sagt er. „Wir waren zehn Minuten da und es kam kein Betreuer“, bestätigt Jacqueline Grüttner und ergänzt: „Irgendwann ist einer Betreuerin eingefallen, dass noch eine Behinderte auf dem Klo sitzt.“ Das Mädchen sei dort schlichtweg vergessen worden.

Die Lebenshilfe will den Vorwürfen „akribisch nachgehen“. „Sollten sich die Anschuldigungen bewahrheiten, würde dies nicht der in der Lebenshilfe Celle gelebten und gepflegten Kultur entsprechen“, sagt Kasper. Er habe bereits Dokumente ausgewertet sowie Gespräche mit der zuständigen Sozialarbeiterin, dem psychologischen Dienst, dem Betriebsrat und den zuständigen Fachkräften geführt.

„Die Entscheidung für eine pädagogische Maßnahme kann Fehler beinhalten“, räumt der Geschäftsführer ein und fügt hinzu: „Sollte es sich so herausstellen, müssen sie korrigiert werden.“ Er gibt zu bedenken, dass die Arbeit von Menschen mit schweren Mehrfachbehinderungen häufig eine Gratwanderung bedeute. Eine auf die Fähigkeiten der Person abgestimmte Kommunikation könne als ruppig wahrgenommen werden. Das Zurückhalten einer Gehhilfe gehe auch auf den fachlich begründeten Impuls zurück, vorhandene Fähigkeiten zu nutzen. Die Lebenshilfe sei aber immer gesprächsbereit: „Zur Aufarbeitung bieten wir der Familie auch heute nochmal ein offenes Ohr an.“