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Celle Stadt Perfekter Sozialstaat mit Qualitätsmanagement
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Perfekter Sozialstaat mit Qualitätsmanagement
14:39 06.04.2018
Von Michael Ende
Celle Stadt

Die faszinierende Biologie der Honigbienen und ihres Staates überrascht jeden Betrachter dieses kleinen sozialen Organismus, der so eng verzahnt organisiert ist, dass Imker von „dem Bien“ sprechen – von einem einzigen Super-Organismus, der als Ganzes weit mehr kann als seine hochspezialisierten Einzel-Lebewesen.

„Das Bienenvolk ist eine Dauergemeinschaft von tausenden kurzlebigen nicht fortpflanzungsfähigen Weibchen, einer langlebigen Königin und in den Frühjahrs- und Sommermonaten mehreren hundert Männchen, die man Drohnen nennt“, erläutert der Leiter des Celler Instituts für Bienenkunde, Werner von der Ohe. Das Leben in dieser gut organisierten Sozialgemeinschaft mit intensiver Arbeitsteilung sei nur durch intensive Kommunikation und mit einem Höchstmaß an Flexibilität möglich. Es gebe zwar auch einzelne „faule“ Bienen, aber in der Regel suchten beschäftigungslose Arbeiterinnen förmlich nach Arbeit.

Die Bienen verständigen sich untereinander durch Duftsubstanzen. „Die Tanzsprache dient der Übermittlung von Informationen über die Lage von Trachtquellen und neuen Behausungen. Sammelbienen können weitere Bienen mittels Tanzsprache für die Sammeltätigkeit rekrutieren“, so von der Ohe. In vielen Bereichen würden Soll- und Ist-Werte abgeglichen und Arbeitsgänge angepasst: „Es besteht fachspezifische Entscheidungskompetenz, die Suche nach Beschäftigung, ein hohes Maß an Flexibilität und eine permanente Kommunikation der Ist-Situation, um schnell auf Veränderungen reagieren zu können. Das ist gelebtes Qualitätsmanagement.“

Arbeiterin und Königin gehen aus befruchteten Eizellen hervor; Drohnen aus unbefruchteten Eiern. Das mit dem Regieren ist für die Queen so eine Sache: Im Grunde ist sie eine Eierlegemaschine, die nichts zu melden hat. Sie wird verhätschelt – aber wenn sie keine Leistung mehr bringt, kennt das Volk aus Selbsterhaltungsgründen nur die Staatsräson, schafft eine neue Prinzessin und die Alte hat ausgedient. Die neue Königin wird aus einer weiblichen Larve gezogen, die mit „Gelée royale“ gefüttert wird.

Wie genau das alles funktioniert, wird immer noch erforscht – zum Beispiel im Celler Bieneninstitut. Hier entdecken von der Ohe und seine Mitarbeiter immer neue Facetten des Lebens im Bienenstock. Dieses Leben ist heute ohne Imker nicht mehr möglich, denn die Bienen sind bedroht. Zum Beispiel von der durch den Menschen eingeschleppten Varroa-Milbe, von Agrarchemie und Landschaftszerstörung.