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Celle Stadt Fein aufgefächerte Polyphonie und lautmalerische Stille
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Fein aufgefächerte Polyphonie und lautmalerische Stille
13:50 11.12.2011
Der Frauensingkreis Celle unter der Leitung von Thomas Dust bei seinem vorweihnachtlichen Konzert im Sophien-Stift. Quelle: Rolf-Dieter Diehl
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Da wurden die so häufig verhunzten Ohrwürmer wie „Alle Jahre wieder“ und „O du fröhliche“ effektvoll und mit bewegtem rhythmischen Duktus vorgetragen, das „Leise rieselt der Schnee“ durch lautmalerische Stille verziert, und „Maria durch ein’ Dornwald ging“ erklang in einer gefühlvollen Symbiose aus Strenge und Poesie. Derart veredelte volkstümliche Lieder wirkten denn auch neben den Klassikern wie Beethovens „Hymne an die Nacht“ und Mendelssohn Bartholdys „Hebe deine Augen auf“ (aus dem Oratorium „Elias“) keineswegs als Fremdkörper. Und auch die romantische Gefühlswärme des schlesischen Volksliedes „Es blühen drei Rosen auf einem Zweig“ reihte sich bruchlos in das Programm ein, das von einer besinnlichen, erwartungsfrohen Charakteristik geprägt war.

Der grippebedingt auf 25 Sängerinnen dezimierte Chor bestach durch eine bemerkenswerte Homogenität. Ausgewogenheit im Klang und gute sprachliche Artikulation kennzeichneten die Vorträge. Dust setzte auf eine fein aufgefächerte Polyphonie, erkor das Piano zur Grunddynamik, crescendierte und steigerte, wenn nötig, den Chorklang ins Forte, aber immer mit der gebührenden Contenance. Als besonderes Schmankerl hatte er für das begeisterte Publikum noch einen Psalter mitgebracht, eine mittelalterliche Zither, mit deren feinem glockenhaften Klang das von ihm vorgetragene weihnachtliche Andachtslied „Ich steh’ an deiner Krippen hier“ zu einem ganz besonderen Hörgenuss wurde und die Zuhörer versonnen lächelnd schwelgen ließ.

Von Rolf-Dieter Diehl