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Celle Stadt Ferienbeginn in Celle: Schlossberg als Partzyzone
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Ferienbeginn in Celle: Schlossberg als Partzyzone
14:53 31.07.2014
Schlossberg-Fete Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

„School‘s out for summer“: Das Lied der amerikanischen Rock-Band Alice Cooper dröhnt aus den Lautsprechern von Mark Meyers Smartphone. Zusammen mit einigen Mitschülern hat er es sich auf einer Decke am Hang des Schlossberges gemütlich gemacht. Neben der fünfköpfigen Gruppe steht eine Palette mit Bierdosen in Deutschland-Farben, eine Packung Sangria kreist in der Runde. „Supergeil, endlich haben wir ein paar Wochen Ruhe von der Schule. Darauf trinken wir heute und nicht zu knapp“, sagt der 18 Jahre alte Ex-Schüler und stößt mit den anderen an.

Eine andere Gruppe Jugendlicher stimmt Lieder wie „Prost ihr Säcke“ und „Oh wie ist das schön“ an. „Halb Celle feiert hier heute. So etwas darf man sich einfach nicht entgehen lassen“, so Jasper Seidensticker aus der zehnten Klasse des Hölty-Gymnasiums. Sein Mitschüler Arne Sevenick ergänzt: „Wir begießen heute ordentlich unsere Zeugnisse und genießen den Start in die Ferien, den wir uns verdient haben.“

Damit die Jugendlichen nicht dehydrieren, haben die Betreuer von Stadt und Land einen Stand mit Wasserflaschen aufgebaut und ihre Runden über das Gelände gedreht. „Wir gönnen den Jugendlichen das Feiern und sind deshalb auch nicht mit erhobenem Zeigefinger unterwegs“, sagt Frauke Ristau von der Suchtprävention der Stadt. „Wir haben aber ein Auge darauf, dass hier nichts aus dem Ruder läuft.“

Doch nicht jeder Besucher war gestern darauf aus, sich mit alkoholischen Getränken "die Kante zu geben". Janna Behing hatte zum Beispiel mehrere kleine Pötte mit abwaschbarer, essbarer Farbe dabei, die sie auf den Klamotten und Köpfen ihrer Freunde und Bekannten verteilte: „Ich will ein paar Farbakzente setzen und den Leuten zeigen, dass man auch ohne Alkohol Spaß haben kann“, sagt sie.

Auch das mittlerweile schon traditionelle Bad im Schlossgraben – ob freiwillig oder ungewollt – durfte natürlich nicht fehlen. Eines der Opfer ist Aylin Tatu, die von ihren Mitschülern an Armen und Beinen zum Gewässer getragen wird. Obwohl die junge Frau schreit und zappelt, kennen ihre Freundinnen keine Gnade und werfen sie im hohen Bogen ins kühle und vor allem trübe Nass. „Platsch“ macht es, dann folgt der tosende Jubel der am Hang des Schlossberges sitzenden Schüler.

Komplett durchnässt klettert Aylin aus dem Wasser heraus: „Das ist einfach nur ekelig, ich stinke wie die Pest.“ Trotz ihres anfänglichen Ärgers nimmt sie das Bad gelassen – wenig später landen schließlich auch einige der „Täter“ im Wasser. „Sie hat uns in der Schule immer geärgert, das war unsere kleine Rache“, sagt Marie-Sophie Ehlers.

Mit dem Verlauf der feucht-fröhlichen Sause ist die Polizei am Abend zufrieden, auch wenn es zu drei Fällen leichter Körperverletzung kam und deshalb auch ein Platzverweis ausgesprochen werden musste. „Das ist alles noch im grünen Bereich“, bilanziert Polizei-Sprecher Thorsten Wallheinke.

Die Hilfskräfte vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) und den Maltesern hatten weniger zu tun als im Vorjahr und ziehen deshalb ein positives Fazit. Fünf Jugendliche mussten mit Schnittverletzungen oder Prellungen behandelt werden, drei weil sie etwas über den Durst getrunken haben. „Es ist so wenig passiert, dass man von einem sehr charmanten Festcharakter sprechen kann“, sagt DRK-Einsatzleiter Maik Treptow. „Die Jugendlichen können jetzt mit einem guten Gefühl in die Ferien starten.“

Von Kai Knoche