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Celle Stadt Fest der ästhetischen Tanzkunst
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Fest der ästhetischen Tanzkunst
10:35 16.12.2011
Ballett Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

Nicht nur einfach einen Tanz darzubieten, sondern die ganze Schönheit des menschlichen Körpers in seiner Bewegung zu zeigen, war die erklärte Maxime des legendären Balletttänzers Rudolf Nurejew (1938-1993). Kein Wunder, dass das Ensemble der nach ihm benannten Russischen Staatlichen Ballettakademie ihm nachzueifern trachtet. Mit Tschaikowskys „Schwanensee“ – für viele das Synonym für das Ballett überhaupt – begeisterten die etwa vierzig Tänzerinnen und Tänzer am Mittwoch mit ansprechender, ästhetischer Tanzkunst das Publikum in der Congress Union. Dieses romantische Märchen vom jungen Prinzen Siegfried, der sich in die Schwanenprinzessin Odette verliebt und sie vom bösen Zauber des Herzogs Rotbarts befreien will, verarbeitet die uralte Suche nach unerreichbarer Liebe, Schönheit und Vollkommenheit und fasst damit alle Ideale des romantischen Balletts zusammen.

Allein mit der Körpersprache wurden all die großen Empfindungen wie Liebe und Sehnsucht, Einsamkeit und Eifersucht, Schmerz und Glück inbrünstig und überdimensional dargestellt. Die Reduzierung der Bühnensprache auf bloße Körperlichkeit in einer Welt, die vom gesprochenen Wort lebt, erwies sich dabei auch als interessante Herausforderung für die etwa 600 Zuschauer: Es war faszinierend, quasi hineinzuhören in einen Ausdruck, der nicht ausgesprochen wird, sondern allein in Bewegung und Innehalten seine Expression findet.

Zu den zahlreichen Höhepunkten gehörten neben den Grand Jetés und Pirouetten der Solisten und dem Tanz der Schwäne vor allem die Pas de deux des Prinzen mit dem weißen Schwan im 2. Akt und – mit der unübertroffenen Serie von 32 Fouettés, diesen peitschenartig wirbelnden Drehungen der Tänzerin auf der Fußspitze – mit dem schwarzen Schwan im dritten Akt. Geschmeidig und kraftvoll zugleich präsentierten sich die Akteure. Spannungsreich pointierte temperamentvolle Szenen wechselten sich ab mit Momenten unendlicher Zartheit und fast rührseliger Unschuld. In beiden Genres fanden sich die Hauptakteure glänzend zurecht. Nikolai Enikeew verkörperte den Prinzen kraftvoll und forsch nach außen, einfühlsam und zärtlich nach innen. Und Sonja Gavrjuschina wusste in ihrer Doppelrolle die zarte Reinheit und Unschuld der Odette ebenso ausdrucksstark und glaubwürdig umzusetzen wie die hinterhältige, lockende Verführung der Odile. Ein Fest der Tanzkunst.

Von Rolf-Dieter Diehl