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Celle Stadt Festliche Atmosphäre bei Weihnachtsoratorium in Celler Stadtkirche
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Festliche Atmosphäre bei Weihnachtsoratorium in Celler Stadtkirche
17:08 10.12.2013
Mit dem Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach ist dem Chor zusammen mit Solisten und Orchester - eine Aufführung wie aus einem Guss gelungen. Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

Bachs Weihnachtsoratorium gehört zum Weihnachtsfest wie Tannenbaum und Spekulatius. Schon kleine Kinder spüren das Besondere dieses leuchtend hell erklingenden Werkes, wenn sie zum ersten Mal in ihrem Leben Pauken, Trompeten und Chor jauchzen und frohlocken hören und von jubilierenden Geigen und Flöten auf das Weihnachtsfest eingestimmt werden. Kein Wunder: Wann hat jemals ein Komponist die Freude über das Weihnachtsfest vollkommener ausgedrückt?

Unter der Leitung von Martin Winkler gelang der Hannoverschen Hofkapelle, der Celler Stadt- und der Jugendkantorei sowie den Gesangsolisten Anke Briegel (Sopran), Kerstin Rosenfeldt (Alt), Achim Kleinlein (Tenor) und Dietmar Sander (Bass) eine ungemein festlich-glanzvolle Aufführung wie aus einem Guss, mit einer konsequent durchgeführten Konzeption und auf hohem musikalischen Niveau.

Dass Winklers Autorität, mit der er jede Phrase des Werks ohne aufgesetztes Pathos kontrollierte, eine wohltuend natürliche und keine diktatorische ist, spürte man an der Motiviertheit, mit der Chor und Solisten ihre Parts gestalteten. Ebenso wie das mit vitaler Spiellust agierende Orchester, das – bei virtuos-dynamischem Umgang mit den historischen Instrumenten – alle Facetten von subtiler Grundierung der Rezitative bis hin zu festlicher Klangfülle meisterhaft beherrschte. Dabei wurde das Ensemble seinem Ruf, sowohl extremen als auch feinsten Affektnuancen musikalisch nachzuspüren, auf eindrucksvolle Weise gerecht. Winkler konnte verlässlich darauf aufbauen. Dem musikantischen Impuls der Stücke scheinbar einfach nur folgend ließ er die Musik fließen und – im wahrsten Sinne – von innen heraus atmen. Da wurde schon der berühmte Eingangschor „Jauchzet, frohlocket“ mit keck aufstampfenden Pauken und hellstimmig schmetternden Naturtrompeten beim Wort genommen. Und der Choral „Ach du mein herzliebstes Jesulein“ wiederum wurde zu einer wahrhaft himmlischen Wiegenmusik.

In dieses rundum überzeugende Gesamtbild fügten sich die Solisten bruchlos ein. Es war ein Genuss, mit wie viel Empathie etwa Rosenfeldt die herzbewegende Arie „Schließe, mein Herze“ vortrug, ungemein zartfühlend begleitet von der Solovioline der Konzertmeisterin Anne Röhrig. Nicht minder überzeugten Kleinlein mit seinen schlanken und elegant geformten Koloraturen, Sander mit seinem samtigen Bass und Briegel mit ihrem glockenreinen Sopran. So gestaltete sich im musikantischen Zusammenwirken aller Beteiligten ein empfindsam austariertes Gefüge, in dem meditative Betrachtung und dramatisches Geschehen sich die Waage hielten und das Publikum immer wieder mit dem festlich sich erhebenden Jubel und der deutlich artikulierenden Musizierfreude konfrontiert wurde, die man gerade bei diesem Werk mit weihnachtlicher Musik verbindet.

Von Rolf-Dieter Diehl