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Celle Stadt Feuerwehr doch aufs Postgelände?
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Feuerwehr doch aufs Postgelände?
07:46 28.08.2010
Von Oliver Gatz
2,3 Millionen Euro müsste die Stadt auf den Tisch legen, um das Postgelände an der 77er Straße zu kaufen. Doch eine Entscheidung zugunsten dieses Standortes für den Bau der neuen Hauptwache hängt nicht nur vom Geld ab. Quelle: Torsten Volkmer
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Eigentlich schien die Standortfrage für den Neubau der Feuerwehr-Hauptwache nach dem Votum des Rates Anfang Mai geklärt zu sein. Die Politik entschied sich seinerzeit nach langem Hickhack für das Saarfeld. Doch jetzt lebt die Diskussion um das Postgelände an der 77er Straße wieder auf.

CDU-Ratsherr Udo Hörstmann hatte in Gesprächen mit der Vermarktungsfirma für das Postgelände erfahren, dass die Stadt kein Immobilienpaket mit Grundstücken in anderen Städten erwerben muss, sondern die Möglichkeit hat, das Gelände als einzelne Immobilie zu kaufen. „Diese neue Situation sollte man ausloten“, fordert er. Der Bau einer neuen Hauptwache koste viel Geld und sei auf die kommenden Jahrzehnte ausgerichtet. Angesichts dieser Bedeutung sei es nur vernünftig, einen optimalen Standort zu finden, so Hörstmann.

Ein solcher ist für den CDU-Politiker das Postgelände. „Die 77er Straße ist für die Feuerwehr einfach zukunftsträchtiger und von der Zugänglichkeit her deutlich besser als das Saarfeld“, argumentiert Hörstmann. Das Grundstück sei 8000 Quadratmeter größer. Zudem halte die Mehrheit des Stadtkommandos das Postgelände ebenfalls für geeigneter.

Nachdem Hörstmann den Kurswechsel bei der Veräußerung des Postgeländes vor einigen Tagen erfahren hatte, klemmte sich Celles Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (SPD) dahinter. „Wir wären in der Lage, das Grundstück zu erwerben“, sagt er nach Gesprächen mit den Verantwortlichen. Für die Immobilie müsse die Stadt allerdings 2,3 Millionen Euro zahlen. Hinzuzurechnen seien noch Abbruchkosten. Außerdem müsse man die Planungen ändern. Hintergrund: Das Postgelände liegt im Überschwemmungsgebiet. Ein neuer Bebauungsplan wäre erforderlich. Für den Standort Saarfeld laufen derzeit die Vorbereitungen für ein PPP-Projekt (Private Public Partnership), bei dem ein Investor die neue Wache plant und baut, und die Stadt es pachtet.

Die Politik hat die Verwaltung jetzt damit beauftragt, die Rahmenbedingungen für den Erwerb des Postgeländes abzuklopfen. Und diese sind denkbar ungünstig: Es darf keine Verzögerung bei den Gedo-Planungen geben, die Post muss rechtzeitig das Grundstück verlassen. Und letztlich darf diese Lösung nicht mehr kosten als das Vorhaben auf dem Saarfeld. „Aber wir wollen uns keine Chance verbauen“, sagt CDU-Fraktionschef Heiko Gevers. Er hält das Gelände in der 77er Straße gegenüber dem Saarfeld für „unkomplizierter“, weist jedoch darauf hin, dass ein tragfähiges Konzept „nicht eben aus dem Hut gezaubert wird“.

Mit der Option Postgelände kann sich auch die Rats-FDP anfreunden. „Städtebaulich wäre das die elegantere Lösung, als eine grüne Fläche zu bebauen“, sagt Hans-Herbert Encke. Allerdings stehe man angesichts der fortschreitenden Planungen für die Gedo-Altstadtgalerie unter Zeitdruck. „Wir werden durch die Verhandlungen nicht den Bebauungsplan Südwall gefährden“, betont Encke. „Der läuft durch.“ Für Gedo müsse rechtzeitig das Parkhaus zur Verfügung stehen.

Den Grünen spielt der Kurswechsel bei der Vermarktung des Postgeländes in die Hände. „Wir sagen Nein zum Saarfeld“, betont Fraktionschef Bernd Zobel. Er schlägt bei der Finanzierung eine stadtinterne Lösung vor. Beispielsweise könne eine städtische Tochter wie etwa die Wohnungsbau GmbH Celle (WBG) das Grundstück kaufen und an die Stadt zu vermieten. Das hätte den Effekt, dass der Grunderwerb sich nicht im städtischen Haushalt niederschlagen würde. Das PPP-Projekt auf dem Saarfeld lohne sich für die Stadt nicht, sagt Zobel. „Die Privaten wollen ja daran verdienen. Wir verschieben die Kosten nur auf die kommenden Generationen.“