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Celle Stadt "Feuerwehr ist hier in Bostel Kulturträger"
Celle Aus der Stadt Celle Stadt "Feuerwehr ist hier in Bostel Kulturträger"
18:47 19.07.2018
Von Dagny Siebke
Quelle: Oliver Knoblich
Celle Stadt

Morgens um halb zehn in Bostel stehen drei Leute an der Bushaltestelle. „Hier gibt es ja nichts und ich muss für jedes Pfund Salz in die Stadt fahren“, erzählt die Seniorin und steigt mit ihren beiden Begleitern in den Bus nach Celle. Doch wenige Meter weiter sind fünf Männer schwer beschäftigt. Sie stehen am Feldrand und verteilen Getreide auf zwei Anhängern.

Ihre Ausbeute fahren sie auf die Höfe von Achim Heuer und Thorsten Späth. Die letzten beiden Landwirte von Bostel erhalten Verstärkung von ihren Berufskollegen im Ruhestand. Man erkennt die Senioren gut an ihren Latzhosen. Den Abend zuvor haben die Männer erst den Entschluss gefasst, die besten Ähren für die vier Erntekronen vor den Mähdreschern zu sichern. Schließlich hat die Getreideernte dieses Jahr zwei Wochen früher begonnen als sonst. Die vier Erntekronen sollen der ganze Stolz des 600-Seelen-Ortes zum Erntefest am 13. Oktober sein.

„Bostel ist das Schwungrad Europas“, scherzt Horst Heine. Schließlich wird hier gerade das neue Glasfasernetz verlegt. Schon zum Jahresende sollen die ersten Pioniere mit bis zu 200 Mbit pro Sekunde surfen können. Mehr als 80 Prozent der Hausbesitzer haben mittlerweile 183 einen Vertrag mit der SVO abgeschlossen. Kein Wunder, schließlich wurde hier 1955 ein Umspannwerk gebaut, daneben befindet sich das Erdgasbüro. Auch im Internet sind die Bostler gut vernetzt und haben dort ihr eigenes „Königreich“ aufgebaut.

Im Laufe eines Jahres wird in Bostel nur zweimal groß gefeiert: zum Osterfeuer und zum Erntefest. Zum Schützenfest müssen die Bostler nach Altenhagen fahren. Doch zumindest kehren sie häufig mit Erfolg und Königsscheiben im Gepäck zurück nach Bostel. Beide Großveranstaltungen im Ort werden von der Freiwilligen Feuerwehr organisiert. Der ehemalige Ortsbrandmeister ist jetzt der Ortsbürgermeister für Bostel, Lachtehausen und Altenhagen. Beim Erntefest gibt es für Klein und Groß einen Umzug durch ganz Bostel. Den Abend verbringt man im Landgasthof Sohnemann, den hier aber alle immer noch Kreuger nennen. 100 Karten werden für den Ball verkauft. „Bei 150 Leuten fällt das Ding auseinander“, heißt es.

Alles, was die Männer für ihre Erntekronen brauchen, sind Hafer, Roggen und Weizen. Doch in Bostel wächst gar kein Weizen, also schwingen sich die Männer in zwei Autos, fahren nach Gockenholz und überqueren unbewusst Celles Stadtgrenze. Wie es um die Nachbarschaft mit Gockenholz bestellt ist? „Gockenholz ist uns herzlich egal.“ Doch Thorsten Späth hat dort elf Hektar gepachtet. Am Wegesrand lassen die Bostler die Wagen stehen und inspizieren das Getreide. „Es darf nicht zu grün sein, sonst fängt es an zu gammeln. Es darf aber nicht zu reif sein, sonst fallen die Körner heraus und wir haben nur Stroh“, sagt Horst Heine und setzt die Heckenschere an. Er schneidet gut 24 Meter weg. Pro Quadratmeter erhält Thorsten Späth normalerweise 10 bis 15 Cent. Doch für die Feuerwehr macht er eine Ausnahme: „Kommt darauf an, wie viel Bier mir ausgegeben wird“, sagt der Landwirt und lacht.

Zurück in Bostel verteilen die Helfer das Getreide zum Trocknen auf Gittern und erzählen: „In 14 Tagen binden wir gemütlich neben dem Grill die Erntekronen. Wenn sie ruhig hängen, können sie schon ein paar Jahre halten.“ Zumindest wenn sie vorher kräftig mit Haarspray eingesprüht werden.

Während die fünf Landwirte Feierabend machen, hält Reinhard Merchel die beiden Fahrzeuge der Feuerwehr in Schuss. „Die stehen den Sommer über ja fast nur. Ich überprüfe, ob alles in Ordnung ist“, sagt der Gerätewart, der zufällig gerade Urlaub hat. Rund 30 Aktive engagieren sich bei der Feuerwehr. „Wir sind hier der Kulturträger.“

Ab Montag, 23. Juli, wird das ehemalige Schützenhaus in Westercelle abgerissen. Zur Sicherung der Arbeitsstelle kann die Westerceller Straße ausschließlich aus Richtung Hannoversche Heerstraße befahren werden.

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