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Celle Stadt Feurige Liebe, gedehnter Schmäh
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Feurige Liebe, gedehnter Schmäh
15:07 05.02.2010
Reihe Kronjuwelen. Literarisch-Musikalisches aus der Schatzkammer des Schlosstheaters: „Die kleine Komödie“ – Ein Arthur Schnitzler Abend mit Heinz Trixner Quelle: Aneka Schult
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In der ersten Halbzeit las Trixner „Die kleine Komödie“ von Arthur Schnitzler (1862-1931), nach der Pause dessen Einakter „Halbzwei“ und „Abendspaziergang“.

Man muss kaum erwähnen, dass der aus Film und Funk bekannte österreichische Schauspieler und Regisseur Heinz Trixner, geboren 1941 in St. Veit an der Glan, geradezu prädestiniert für das gelesene Schauspiel war. Mit der Gelassenheit eines Wiener Kaffeehausflaneurs streckte er seine Glieder unter dem Holztisch hervor, dehnte die Wörter in aller Gemütsruhe und brachte sich für kurze Momente gar arg in Rage. Den Wiener Schmäh und die Gesellschaft des Fin de Siècle hat Trixner gekonnt herbeizitiert. Kein Wunder, hat er doch seine Ausbildung am Max-Reinhardt-Seminar in Wien absolviert. Es folgten Engagements am Thalia-Theater in Hamburg, am Schauspielhaus Düsseldorf, am Burgtheater und Volkstheater in Wien sowie am Theater in Basel.

In Kunst & Bühne breitete Trixner vor Augen und Ohren der Besucher zunächst den monologischen Briefwechsel des wohlsituierten Lebemanns Alfred von Wilmers an Theodor Dieling in Neapel und der koketten Wienerin Josefine Weninger an Helene Beier in Paris genüsslich aus. Auf heiter-komische Weise begab er sich mitten hinein in ein Liebesabenteuer und in das außerordentlich komplizierte Beziehungsgeflecht zwischen Männern und Frauen. Trixners ruhig-laxe Art und sein gereifter Fundus an menschlichen Befindlichkeiten stellten ihm die nötigen darstellerischen, mimischen Mittel zur Verfügung, um den Erzähl-, Rollen- und Perspektivwechsel authentisch wirken zu lassen. Mit Spaß am Verwirrspiel verstrickt er sich in eine Klischee-Idylle und vermag alle Elemente einer Komödie zu pointieren. Fein nuanciert Trixner den sich langsam anbahnenden Überdruss am ärmlichen Dorfidyll. Schnitzler hatte „Die kleine Komödie“ 1893 im Alter von 31 Jahren geschrieben.

Auch der Akt „Halbzwei“, der im Zusammenhang von Schnitzlers Affäre mit der Schauspielerin Adele Sandrock bekannt wurde, sowie der „Abendspaziergang“ tragen Schnitzlers psychologisch entlarvende Komponente in sich. Dramatisierte Szenen, Neurosen der Dekadenten und Egozentriker, kleine Siege, zerschmetternde Abrechnungen, Melancholie und offene Pointen. Ein funkelnder Bühnengenuss.

Erstmals wird Heinz Trixner auf der Hauptbühne des Celler Schlosstheaters in der Rolle des Helge Klingenfeldt in der Inszenierung „Das Fest“ zu sehen sein. Vom 12. Februar bis zum 7. März steht er auf der Bühne.

●Nächste Veranstaltung: Die nächsten Kronjuwelen „Love Letters“ von A.R. Gurney mit Christina Rohde und Ronald Schober sind am Mittwoch, 3. März, 20 Uhr, in Kunst & Bühne zu sehen.

Heinz

Trixner

Von Aneka Schult