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Celle Stadt Fiese Falle für Celler Radfahrer
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Fiese Falle für Celler Radfahrer
21:38 09.09.2016
Von Gunther Meinrenken
Celle Stadt

Es war schon dunkel, als Frank Heinevetter zusammen mit seiner Frau mit dem Fahrrad auf dem Nachhauseweg war. Die beiden hatten gerade einen schönen Abend in einem Celler Restaurant verbracht. Als sie auf dem Radweg an der Blumlage unterwegs waren, schlug es Heinevetter auf einmal das Vorderrad weg. „Nur mit einer schon fast artistischen Reaktion konnte ich einen Sturz verhindern“, berichtet der 67-Jährige.

Nach dem ersten Schock schaute Heinevetter nach, was ihn aus der Bahn geworfen hatte, und staunte nicht schlecht, als er sah, dass das Hindernis mit Absicht in den Weg der Radfahrer eingebaut worden war. Denn an der Stelle, die dem geübten Radfahrer fast zum Verhängnis geworden wäre, hat die Stadt vor Kurzem eine neue Querungshilfe geschaffen. Im Zuge der geforderten Barrierefreiheit wurde diese mit einem „taktilen Blindenleitsystem“ ausgestattet. Im Klartext: Auf einer Länge von etwa zwei Metern gibt es nun eine bis zu sechs Zentimeter hohe Kante, die den Radweg vom Fußweg trennt.

Heinevetter zweifelt am Sachverstand der Planer: „Bisher bestand keine Notwendigkeit für besondere Vorsicht, da der Radweg auf gleicher Höhe wie der Fußweg verlief. Diese neue Kante konnte ich nicht erwarten und auch nicht sehen, obwohl mein Vorderlicht einwandfrei funktioniert. Ich frage mich ernsthaft, wie quer man eigentlich denken muss, um so eine Kante an einer solchen Stelle einzubauen.“

Die Antwort darauf gibt Stadtsprecher Wolfgang Fischer: „Die Barrierefreiheit von Verkehrsanlagen hat in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung zugenommen und ist mittlerweile in zahlreichen Gesetzen, Verordnungen, Richtlinien verankert. Deshalb entspricht der in vielen Bereichen umgesetzte Ausbau von Überwegen mit differenzierten Bordhöhen dem aktuellen Stand der Technik und ist mittlerweile etabliert.“

An dem neuem blindengerechten Übergang an der Blumlage kann die Stadt kein Problem erkennen. „Der Radweg ist mit 1,50 Meter Breite ausreichend bemessen. Wer ihn normal benutzt, dürfte mit dieser Kante keine Probleme bekommen. Ein normaler Sicherheitsabstand zu parallel geführten Gehwegen liegt den meisten Radfahrern im Blut. Im Stadtgebiet gibt es an vielen Stellen Radwege, die direkt an einen Bordstein angrenzen, ohne dass es dort zu Unfällen kommt“, so Fischer.

Doch die Realität an der Blumlage sieht anders aus. Und das liegt daran, dass die Absenkung für die Radfahrer nur schwer zu erkennen ist. Auch tagsüber. Die Barrierefreiheit für Sehbehinderte hat schon für einige Unfälle unter Radfahrern gesorgt. Das weiß Kenneth Taylor, der in der Nähe wohnt, zu berichten. „Ich habe schon vier Stürze beobachtet. Zweimal wurden die Radfahrer mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht“, erzählt Taylor. Die Rettungsleitstelle bestätigt einen dieser Einsätze, der sich am 6. September ereignet hat.

Bei der Celler Polizei hat man sich noch nicht mit der Gefahrenstelle beschäftigt. Verkehrssicherheitsexperte Karl-Heinz Kroll: „Wir bekommen die Unfälle immer erst nach etwa vier Wochen gemeldet.“ Doch auch Kroll ist klar, dass nicht jeder Radfahrer, der stürzt, gleich die Polizei verständigt. „Deswegen werden wir uns in der Arbeitsgemeinschaft Fahr-Rad mit dem Thema beschäftigen“, kündigt Kroll an.

Für die Zwischenzeit hat die Stadtverwaltung noch einen guten Ratschlag für alle Radfahrer: „Im Bereich von Kreuzungen und Querungen ist grundsätzlich eine erhöhte Aufmerksamkeit erforderlich. Auf neue Verkehrssituationen müssen sich insbesondere die Verkehrsteilnehmer einstellen, die über Jahre täglich denselben Weg benutzen“, so Stadtsprecher Fischer.