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Celle Stadt Finnisches Streicher-Duo gibt begeisterndes Tournee-Konzert im Celler Beckmannsaal
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Finnisches Streicher-Duo gibt begeisterndes Tournee-Konzert im Celler Beckmannsaal
08:26 13.12.2016
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Die miteinander befreundeten Musiker, die neben ihren zahlreichen Engagements in Orchestern und Kammerensembles seit Jahren immer wieder gemeinsam auf der Bühne stehen, fühlen sich in der klassischen Musik zu Hause. Ihren Musizierstil als „Duo Feu“ beschreiben sie als „eine Art musikalisches Esperanto“: Klassik verbunden mit Einflüssen verschiedener Stilrichtungen, die auch Leuten einen Zugang zu ihrer Musik bieten, die bisher vielleicht noch nicht auf den Geschmack gekommen sind.

Ihr aus verschiedenen Kulturkreisen zusammengestelltes abwechslungsreiches Programm bot dafür beste Beispiele: Etwa die zeitgenössische Suite von Atso Almila mit ihrer faszinierenden Mischung aus finnischer Folklore und italienischer Sanglichkeit. Oder die eher mystischen Klangbilder von Einojuhani Rautavaara. Oder die Romberg-Variation der Arie „Bei Männern, welche Liebe fühlen“ aus Mozarts „Zauberflöte“, die ebenso zum kokett-musikalischen Augenaufschlag wurde wie das „Grand Duo Brillant“ des Romantikers Friedrich Hermann mit seinen feurigen Alle-gro-Sätzen. Und dann die virtuosen Saitentänze, mit denen das Duo die Zuhörer in den romantischen „Huit Morceaux“ des russischen Komponisten Reinhold Moritzewitsch Glière über eine impressionistische Träumerei und wild ausgelassene, tempogeladene Exzesse schließlich in eine beinahe artistische finale „Etude“ führte.

Die beiden Musiker präsentierten sich bei alldem unverbraucht, voller Lebensfreude und natürlichem Charme, und ließen das begeisterte Publikum bei jeder musikalischen Geste ihre gemeinsame Liebe zur Musik spüren. Dabei überzeugten sie mit grandioser Spielkunst und professioneller Ruhe.

Versiert, absolut intonationssicher und zugleich mit viel Gefühl spielten sie alles so selbstverständlich, leicht, innig und natürlich, dass einem fast entgehen konnte, wie sorgsam sie bei aller investierten physischen Energie die vielen kleinen Details behandelten. Nichts wirkte gehetzt oder beiläufig. Im Gegenteil: Ob rasante Läufe, verzwickte Doppelgriffe oder wendige Bogensprünge – selbst in Passagen der rhythmisch zugespitztesten Motorik ließen sich in ihrem Spiel noch kleine Inseln verträumten Innehaltens finden.

Das war Musik am Puls der Zeit. Musik, die sich abenteuerlustig und wild, aber auch zart und säuselnd gab. Wie eine universelle Sprache berührte sie dabei das Innerste des Menschen und beflügelte die beiden Interpreten geradezu, ihr immer wieder aufs neue Gehör zu verschaffen. Im perfekten Zusammenspiel, mit technischer Präzision und voller Leidenschaft. Fantastisch.

Von Rolf-Dieter Diehl