Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Flaschenpfand statt Reiseschecks: Ohne Geld durch Deutschland
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Flaschenpfand statt Reiseschecks: Ohne Geld durch Deutschland
18:59 09.10.2017
Von Christian Link
Quelle: Christian Link
Celle Stadt

Ihre Eltern hatten die "Ohne Geld durch Deutschland"-Tour des Stuttgarters auf Facebook entdeckt und waren gleich begeistert. "Wir fanden das toll, weil er in vielen Sachen ähnlich ist wie wir", berichtet Mutter Melanie. Seine Erfahrungsberichte seien voller Parallelen zu dem, was aktuell bei den Mausolfs wichtig ist. Auch der Nachwuchs ließ sich von der Faszination anstecken. "Wir haben den Kindern Florians Blog oft vorm Einschlafen vorgelesen. Und die haben viele Fragen gestellt: Wo ist Florian gerade? Wo schläft er nachts? Ist er bei Leuten?" Als der 27-Jährige kürzlich von Buxtehude in Richtung Süden aufbrach, haben ihn die Mausolfs dann spontan zu sich nach Hause eingeladen.

Seit 190 Tagen ist Bassfeld schon unterwegs. "Dein Leben rockt!" lautet das Motto seiner Tour, mit der er dem "gesellschaftlichen Hamsterrad" entkommen will. Denn nach einem Burnout kam der gelernte KfZ-Mechatroniker ins Grübeln und nahm sich eine Auszeit. Anfang des Jahres beschloss er schließlich, sich seinen Lebenstraum zu erfüllen und gleichzeitig seiner größten Angst zu stellen: Er will die ganze Welt bereisen – ohne einen Cent in der Tasche.

"Ich habe fast alles, was ich hatte, verkauft, verschenkt oder weggeschmissen. Und der Rest ist jetzt bei einem Kumpel auf dem Dachboden", sagt Bassfeld. Mit einem 150-Euro-Fahrrad vom Discounter startete er am 31. März seine Reise zunächst in Richtung Süden. "Als ich die Alpen gesehen habe, dachte ich mir: Was soll da noch kommen? Aber dann fährst du durch den Spreewald und plötzlich bist du am Strand von Usedom – da steht dir nur noch der Mund offen", schwärmt der 27-Jährige.

Im Schnitt fährt Bassfeld etwa 30 Kilometer pro Tag. Seine Reise finanziert er vor allem durch das Sammeln von Pfandflaschen am Wegesrand, betteln ist für ihn tabu: "Ich habe mal ausgerechnet, dass es etwa 8 Cent pro Kilometer sind. Am besten sind die Red-Bull-Dosen, die sind klein und bringen viel ein." Im Notfall greift er auch mal zur Gitarre und macht Straßenmusik. Die Kosten für sein Handy und Krankenversicherung gehen von seinem Ersparten ab.

Durch Spenden seiner Fans, von denen ihm derzeit 2881 auf Facebook folgen, hat er seine Ausrüstung ständig verbessert. Sogar ein Zelt besitzt er jetzt, nachdem er anfangs noch unter freiem Himmel schlafen musste. "Es ist unglaublich, wie gastfreundlich und nett viele Leute sind", sagt er. Alle Übernachtungsangebote könne er gar nicht annehmen. Alle paar Tage freut er sich aber schon über ein weiches Bett und die Möglichkeit, seine Wäsche zu waschen.

Über seine Zukunft macht sich der 27-Jährige keine Sorgen. "Ich habe festgestellt, dass man mit einer starken Persönlichkeit und einer positiven Ausstrahlung fehlende finanzielle Mittel ausgleichen kann", sagt er. Einen klassischen Job will er nie wieder ausüben, sondern lieber weiter Reiseberichte schreiben und Menschen inspirieren. Nach seiner Deutschlandtour plant Bassfeld, durch Großbritannien zu radeln, Anschließend durch die ganze Welt. Heute setzt er aber erstmal Kurs in Richtung Peine und Hannover: "Und dann geht es wieder an die Nordsee – nach Bremen und Bremerhaven, weil der Westen von Deutschland noch fehlt."