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Celle Stadt Fleiß resultiert aus Begeisterung: Celler HBG-Schüler gewinnen einen Chef
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Fleiß resultiert aus Begeisterung: Celler HBG-Schüler gewinnen einen Chef
23:26 28.02.2014
Von Jürgen Poestges
Und am Ende gab es Geschenke: Hagen W. Lippe-Weißenfeld zeigte sich als Chef zum Anfassen. Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

Da saß einer vor den Schülern, der Karriere gemacht hatte. Der Politik-Kurs der Klasse 11 des HBG-Gymnasiums hatte einen „Chef“ gewonnen. Auf Anregung ihrer Lehrerin Sabrina Bippus hatte der Kurs beim Wettbewerb des Handelsblattes mitgemacht. Die Schüler ließen es sich nicht nehmen, Hagen W. Lippe-Weißenfeld, den kaufmännischen Direktor der Stiftung Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf, ordentlich zu löchern. „Das war eine tolle Sache“, freute sich der Befragte. „So etwas betrachte ich als eine Win-Win-Situation. Dadurch bekomme ich wertvolle Denkansätze und ich konnte viele Ideen mitnehmen“, sagt Lippe-Weißenfeld.

Nach der Vorstellung der Kunstsammlung ging es sofort in eine angeregte Diskussion. Ein Moderatoren-Team aus vier Schülern hatte Fragen vorbereitet, schnell stiegen aber auch die anderen Kurs-Teilnehmer in das Gespräch ein. Es ging – natürlich – um den beruflichen Werdegang des Gastes. Es ging aber auch um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder darum, wann man am besten beginnt, sich über seine berufliche Zukunft Gedanken zu machen.

Lippe-Weißenfeld erwies sich als gut gelaunter Gesprächspartner, der teilweise sehr persönliche Erfahrungen preisgab und viele Tipps auf Lager hatte. Dabei ging es nicht nur um den Weg zur steilen Karriere. „Wichtig ist, dass ihr möglichst konkret wisst, was ihr wollt und euch erreichbare Ziele setzt. Man muss mit Leidenschaft für eine Sache brennen, dann macht man sie auch gut. Das ist bei jeder Sache so.“ Und er ergänzt: „Fleiß resultiert aus Begeisterung.“ Sein Beruf passe ihm wie ein Maßanzug.

Für ihn war eine Banklehre mit anschließendem Studium der Betriebswirtschaftslehre und Promotion in Politikwissenschaft der Einstieg in die Karriere. „Das ist eine gute Kombination, damit ist man gut aufgestellt und hat viele Möglichkeiten, sich beruflich zu orientieren.“ Dass er heute mit seinen gerade einmal 38 Jahren schon im Vorstand der Kunstsammlung sitzt, hat auch mit Zufällen und Fügungen auf dem Karriereweg dorthin zu tun. „Vieles hat sich oft einfach so ergeben“, sagt er. Als er für seine Promotion beim Klavierbauer Bechstein in dessen Archiv saß, wurde er praktisch vom Stuhl weg in ein Arbeitsverhältnis übernommen. „Ich sollte einen internationalen Klavier-Wettbewerb organisieren und hatte nun wirklich gar keine Ahnung, wie man so etwas macht.“ Aber es sei ja so: „Wenn man so gar nicht weiß, wie etwas gehen soll, dann kommen einem die besten Ideen.“

Aber auch aus Fehlern müsse man lernen. „Erkannte Schwächen können einen stärker machen.“ Die Schüler hätten heutzutage alle Möglichkeiten, sie müssten sie nur proaktiv nutzen. „Nur durch Fragen stellen und neugierig sein wird man schlauer. Die Menschen helfen einem gerne, man muss ihnen nur die Chance dazu geben.“

Als Chef habe er einen sehr guten Kontakt zu seinen Mitarbeitern. Man bilde durch intensive Zusammenarbeit bei Projekten eine enge Gemeinschaft. „Ich bin sehr stolz, dass ich als Chef eine solche Gemeinschaft als Team führen darf.“ Sicherlich müsse man als Vorgesetzter immer einen respektvollen Abstand wahren. Aber: „Ganz wichtig ist, das du als Chef Bitte, Danke und Entschuldigung sagen kannst. Und wenn Du die Prozesse in der Firma transparent machst, dann bekommst du alle in ein Boot.“

HBG-Schulleiter Mirko Truscelli war stolz auf seine Schüler. „Es war toll, wie intensiv sich der Kurs auf den Termin vorbereitet hat. Es waren tolle Fragen, aber auch ein toller Gesprächspartner.“ Nun folgt für den Kurs die Gegeneinladung nach Düsseldorf in die Kunstsammlung. Da können die Schüler dann überprüfen, was Lippe-Weißenfeld ihnen erzählt hat. „Wenn ihr noch Fragen habt, dann meldet euch bei mir, ich stehe euch gerne zur Verfügung“, versprach der „Chef“.