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Celle Stadt Flüchtlinge: Probleme in Celle nehmen zu
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Flüchtlinge: Probleme in Celle nehmen zu
09:39 24.03.2015
Die Zahl der Flüchtlinge wird wohl weiter wachsen. Quelle: Jens Büttner
Celle Stadt

Die Flüchtlingsfrage wurde trotz des zurückgezogenen Antrages im Sozialausschuss noch einmal diskutiert, denn die Politik will sicherstellen, dass Menschen ohne Deutschkenntnisse, wenn sie in Celle ankommen, sich nicht erst zu ihren Gemeinden durchschlagen müssen. Grund dafür waren zwei Berichte in der vorangegangenen Sitzung, nach denen Asylbewerber am Bahnhof beziehungsweise vor dem Rathaus in Bergen gestrandet waren und nur durch Zufall und die Hilfe von Passanten an ihr Ziel kamen.

Beim Landkreis Celle hält man diese Vorkommnisse allerdings für „Einzelfälle. Wir haben die Lage voll im Griff und niemand irrt durch den Landkreis”, sagte Thomas Walter. Er stellte der Politik wegen des FDP-Antrages die aktuelle Situation im Bereich der Flüchtlinge dar, auch um aufzuzeigen, dass eine zentrale Aufnahmestelle wie in der Stadt Celle aus Sicht des Kreises nicht notwendig sei.

Dabei wurde deutlich, dass die Politik nicht unbedingt davon überzeugt ist, dass der Landkreis so etwas nicht braucht. Immer wieder fragten die Politiker nach. „Dass es bei irgendwelchen Flüchtlingen mal heißt ‚dumm gelaufen‘, muss auf jeden Fall vermieden werden”, sagte zum Beispiel Klaus Didschies (CDU).

Zudem wurde klar, dass die Probleme derzeit wachsen und der Kreis das Land und den Bund für diese verantwortlich macht. Da ist zum einen die Finanzierung. „Wir bräuchten pro Jahr und Flüchtling 8000 bis 10.000 Euro, gezahlt werden aber nur 6195 Euro. Die Differenz trägt der Kreis”, sagte Walter.

Zum anderen ist es aber die Behandlung der Flüchtlinge selbst, die inzwischen zu 90 Prozent ohne Asylantrag in die Kommunen geschickt werden. „Das verzögert die Verfahren”, so Wagner. Manche Menschen müssten wegen der Überlastung der Behörden sechs Monate warten, bevor sie überhaupt einen Antrag stellen können.

Auch die dramatisch steigenden Zahlen der Menschen aus dem Kosovo dürften zu weiteren Problemen führen. Zudem registriert der Kreis eine zunehmende Zahl von Menschen, die zu Psychologen gehen oder sich sogar in geschlossene Anstalten einweisen lassen, wenn eine Abschiebung angekündigt wird. „Die Ankündigung hat die Landesregierung so verfügt. Durch die ärztliche Behandlung verzögert sich die Ausreise oder wird sogar ganz aufgehoben”, erläutert Sozialamtsleiter Ralf Schumann. Große Probleme bereiten auch sogenannte Folgeantragsteller, die erneut nach Deutschland einreisen.

Der Kreis rechnet damit, in diesem Jahr rund 800 Personen zugewiesen zu bekommen. Die Unterbringung soll weiter dezentral in den Gemeinden erfolgen. Wie Kreisdezernent Bernd Niebuhr sagte, wird das dafür vom Kreis aufgelegte Modernisierungsprogramm rege angenommen. So haben die Stadt Celle, Hambühren und die Samtgemeinde Wathlingen bereits Anträge über zusammen rund 166.000 Euro gestellt. Einen weiteren Antrag gab es vom Missionswerk in Hermannsburg.

Von Tore Harmening