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Celle Stadt Flüchtlinge in Celle: Für einen Neuanfang in Serbien
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Flüchtlinge in Celle: Für einen Neuanfang in Serbien
17:25 30.06.2017
Von Dagny Siebke
Celle Stadt

"Wir konnten nicht im Kosovo bleiben. Dort gibt es zu viele Probleme mit den Albanern", betont Vater Bekim. Schon vor zehn Jahren wurde das Haus der Familie angezündet. Seine Frau sei von drei Männern vergewaltigt worden, erzählt er. Selbst auf offener Straße in der Hauptstadt Pristina fühle er sich nicht sicher, weil er schon drei Tage verschleppt und gefesselt worden sei. Als Roma dürften seine Kinder keine Schule besuchen. Zudem wisse er nicht, wo sich der Rest seiner Familie befinde.

"Die Polizei im Kosovo ist korrupt und keine Hilfe für Roma", sagt der 35-Jährige. Auch in Deutschland habe er Beweise für die Gräueltaten vorgelegt, doch die Behörden interessiere das nicht. Im März 2016 verließ die Familie freiwillig das Land, um neun Monate später wieder zu flüchten.

Im Februar 2017 teilte sich Familie Bacsik zuerst in Braunschweig eine Wohnung mit 14 Personen. "Dort gab es viel Gewalt und wir konnten nicht viel schlafen", erzählt der Vater. Als die Familie im April nach Celle kam, kehrte Ruhe ein. Bekim Bacsik engagiert sich in der Flüchtlingsunterkunft an der Hohen Wende als Übersetzer und wird dafür bezahlt. Zu sechst teilen sie sich ein Zimmer. Doch schon am 31. Mai lief die Aufenthaltserlaubnis ab. Noch ist offen, wie lange die Flüchtlingsfamilie noch bleiben darf.

"Ich habe kein Problem wieder zurück zu gehen. Doch ich habe Angst, dass die Männer wieder meine Familie verfolgen. Ich bitte die Deutschen, dass sie uns Roma besser verstehen. Ich möchte hier arbeiten und nicht abhängig vom Staat sein."

Nun überlegt die sechsköpfige Familie nach Serbien zu gehen, doch für diese Reise braucht sie Geld und bittet die Celler deshalb um Spenden. "Ein Neuanfang in Serbien ist für uns momentan die einzige Chance. Dort darf ich arbeiten gehen und meine Kinder die Schule besuchen. Schließlich will meine Tochter Ärztin werden", erzählt der Vater. Wenn Bacsiks dieses Mal Deutschland verlassen, dürfen sie das Land drei Jahre lang nicht mehr betreten.

Eine Ehrenamtliche sagt über Familie Bacsik: "Ich bin beeindruckt, wie respekt- und liebevoll die Erwachsenen und die Kinder miteinander umgehen. Sie verdienen eine zweite Chance."

Wer der Familie Bacsik helfen möchte, kann unter cellehilft@freenet.de mit ihr in Kontakt treten.