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Celle Stadt Flüchtlinge "irren" durch den Landkreis Celle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Flüchtlinge "irren" durch den Landkreis Celle
16:19 21.05.2015
Celle Stadt

Denn die Erstaufnahme im Landkreis Celle funktioniert offenbar nur sehr eingeschränkt. „Ich habe erlebt, wie vier Afrikaner am Bahnhof standen und mit dem Bus weiterfahren wollten“, berichtete Behiye Uca (Linke) im Kreissozialausschuss. Die Männer zeigten laut Uca dem Busfahrer ihre Fahrkarte, die sie in der zentralen Aufnahmestelle bekommen hatten, und ein Schreiben. Das Ticket aber galt offenbar nur für den Zug und der Fahrer konnte kein Englisch. „Am Ende haben sich Privatpersonen eingemischt und zwei von ihnen das Busticket bezahlt“, sagte Uca.

Diese Situation ist offenbar kein Einzelfall. Die Flüchtlinge müssen zunächst mal ihren Weg vom Bahnhof zu den Rathäusern oder Sozialämtern in den Kommunen finden, wobei nicht klar ist, ob sie immer zu den Öffnungszeiten der Behörden ankommen, es sei denn sie werden mit dem Auto gebracht. „Ich finde die Vorstellung, dass diese Menschen durch den Kreis irren, erschreckend“, meinte Renate van Bargen (SPD) und gab damit die Meinung aller Politiker wieder. Kreisdezernent Bernd Niebuhr sprach von einem "unhaltbaren Zustand, wenn das so stimmt".

Laut Sozialamtsleiter Ralf Schumann leben derzeit 506 Flüchtlinge in den Flächenkommunen des Landkreises und 293 in der Stadt Celle. Die größten Gruppen stellen derzeit Menschen aus dem Sudan, Syrien und Russland.

Die wachsende Zahl von Flüchtlingen stellt die Kommunen vor ziemlich große Herausforderungen, denn der Druck von oben wird größer. „Wir kriegen meist eine Woche vorher Bescheid und dann müssen wir eine Unterkunft bereitstellen. Die Mitarbeiter in den Aufnahmelagern sind offenbar auch angewiesen, keine langen Diskussionen mit den Kommunen zu führen“, sagt Frank Heins, Leiter Bürgerservice der Stadt Bergen. Die Stadt im Nordkreis hat die eigenen Wohnungen inzwischen besetzt und wird sich jetzt auf dem privaten Wohnungsmarkt umschauen.

In Bergen dürfte es da wohl weniger Probleme geben, anders allerdings sieht die Situation in Kommunen wie Lachendorf oder Winsen aus.

Für den Landkreis, der die Kosten für die Neuankömmlinge tragen muss, bedeutet der Anstieg auch eine hohe finanzielle Belastung. So verdoppelte sich der Fehlbetrag im Fachbudget des Sozialamtes. Statt 1,7 muss der Kreis dort jetzt 3,4 Millionen Euro zuschießen. Schumann kritisierte in diesem Zusammenhang die finanziellen Hilfen des Landes. Zum einen seien die – obwohl sie im Januar erhöht werden – mit dann knapp 6200 Euro deutlich zu niedrig, weil davon auch die Gesundheitskosten bezahlt werden müssen. „Viele dieser Menschen kommen aus Kriegsgebieten und sind schwer traumatisiert“, sagt Schumann. Das zu behandeln sei entsprechend teuer.

Zum anderen werden die Zahlen über drei Jahre gemittelt, so dass 2013 und 2012 als Grundlage für Zahlungen herangezogen werden, in denen noch nicht so viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen. „Diese Abrechnung ist kompliziert und spiegelt nicht die aktuelle Situation wider“, so Schumann.

Von Tore Harmening