Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Flüchtlinge stellen Bilder aus ihrer neuen Heimat aus
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Flüchtlinge stellen Bilder aus ihrer neuen Heimat aus
17:47 03.11.2017
Quelle: vhs Celle / MaHancke
Celle Stadt

Martina Hancke von der VHS Celle fasste zur Vernissage das Ziel des Projekts zusammen: „Das Angebot richtete sich an Migranten und sollte dazu beitragen, das Verständnis für die neue Heimat zu stärken, helfen Lebensstrukturen und örtliche Kulturen zu verstehen, demokratische Werte zu vermitteln und insgesamt ein toleranteres Miteinander zu fördern. Im ersten Abschnitt ging es um Erkundung – mit Unterstützung von Uwe Stelter. Nebenbei wurde auch einiges Fachwissen über Fotografie vermittelt und Medienschulung betrieben."

Was die Teilnehmer mit der Linse festhielten, blieb ganz ihnen überlassen. Allerdings konnten sie jederzeit Fragen stellen. „Die Auswahl war gar nicht so einfach“, so Hancke. „Zum einen waren einfach sehr viele aussagekräftige Fotos dabei, zum anderen gab es unterschiedliche Meinungen und vieles machte mit der nachgelieferten Erklärung erst richtig Sinn“.

Der Austausch im Gespräch – vom ersten Rundgang an, bis zur Diskussion über die Werke, die es in die Ausstellung schaffen sollten – war ein zweiter wichtiger Aspekt des Projekts. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Der festgehaltene Fokus ist so unterschiedlich, wie die Menschen aus Afghanistan, dem Sudan, Palästina, dem Irak und Gambia es sind.

Rahimullah Rahimi ist vor zwei Jahren aus Afghanistan nach Deutschland geflüchtet. Ihn hat die farbige Bahnhofsunterführung besonders angesprochen: „Das ist so bunt und fröhlich – so wie wir alle sind, vielfältig unterschiedlich und doch in Harmonie zusammen.“ Rahimullah lebt bei einer Gastfamilie in Lachendorf, besucht die Oberschule und macht im kommenden Jahr „hoffentlich“ seinen Abschluss.

Anwar Obaidi kam vor etwa eineinhalb Jahren mit Mutter und Tochter aus dem Irak nach Celle. Die beiden Söhne wurden vom IS getötet. Ihre Fotos zeigen historische Gebäude: „Ich überlege, wie lange das alles schon da ist, behütet und geschätzt. Das Alter hat eine besondere Schönheit und Würde und es zeugt von einem friedlichen Leben ohne Zerstörung.“ Auch die Runde von Flüchtlingsfüßen um einen Kanaldeckel hat sie festgehalten.

Javad Khavari (35) aus Afghanistan haben vor allem Wege und Brücken fasziniert: „Es sind Wege, die zu gehen sind, für die man sich entscheidet. Nicht immer weiß man, wo und wie sie enden – und wem man begegnet.“ Sich begegnende Menschen sind auf seinen Fotos ebenfalls festgehalten. „Freundlichkeit und Respekt sind wichtig.“

Sayed Mohsen Zahedi ist vor allem von den Statuen in der Stadt angetan. „Hier haben bedeutende Leute gelebt, die der Stadt und den Menschen, die hier leben, wichtig waren. Und das zeigt man damit.“ Die üppig grüne Natur begeistert den aus Afghanistan Geflüchteten, allerdings befremdet es ihn, das man Blumen in schweren Betonkästen anpflanzt.

Von Doris Hennies