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Celle Stadt Flüchtlingszuzug stellt Schulen im Landkreis Celle vor Herausforderungen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Flüchtlingszuzug stellt Schulen im Landkreis Celle vor Herausforderungen
17:43 28.10.2016
Von Christopher Menge
Merle Doering, Lehrerin an der Oberschule im Allertal, bringt den Flüchtlingen Deutsch bei. Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

„Ich weiß nicht, wie ich noch Schüler aufnehmen soll“, sagt Gantz, der schon Pensionäre eingestellt hat, um den Flüchtlingen Deutsch beizubringen, „die Personaldecke ist sehr dünn.“ Für alle Flüchtlinge würden individuelle Stundenpläne erstellt. „In Werken, Sport, Kunst und manchmal in Mathematik sowie teilweise in Englisch oder Französisch können sie in den Stammklassen unterrichtet werden“, sagt Gantz. Aber die Alphabetisierung und das Deutsch-Lernen sei erstmal im Fokus.

Nicht neu ist die Situation für die Oberschule Celle I. „An unserer Schule werden seit über 25 Jahren Schüler ohne oder mit wenig Deutschkenntnissen in Sprachlernklassen unterrichtet. Im April wurde hier eine vierte Sprachlernklasse aufgemacht. Alle vier sind ununterbrochen voll besetzt“, sagt Direktorstellvertreterin Claudia Huck, „die Verständigung geht zum Teil mit Händen und Füßen, mit Wörterbüchern – in der entsprechenden Sprache und/oder mit Bildern – oder über Mitschüler.“ Für die Betreuung der derzeit 64 Schüler in den Sprachlernklassen würde sich Huck mehr Personal wünschen.

Den gleichen Wunsch hegt auch Bodo Theel, Direktor der Oberschule im Allertal. „Wir haben eigentlich nur Lehrerstunden für zwei genehmigte Sprachlernklassen mit 32 Kindern, obwohl wir Kinder für drei Klassen haben. Beantragt sind die Stunden seit Längerem“, sagt Theel, für den das Thema „Erlernen der deutschen Sprache“ nicht neu ist. „Das Problem war allerdings die deutlich schnell größer werdende Gruppe der Kinder“, sagt Theel, „bei uns werden deshalb alle ankommenden Kinder einer Regelklasse zugewiesen. Von dort aus besuchen sie dann den speziellen und individuell zugeschnittenen Sprachunterricht in unserer Sprachlernklasse.“ Dort würden derzeit drei Lehrer mit den 44 Kindern arbeiten, von denen zwei Lehrkräfte selbst eine fremde Sprache erlernen mussten. „Somit kennen sie sich mit den Problemen aus“, sagt Theel, „durch die individuelle Förderung können jederzeit neue Kinder aufgenommen werden.“

In Hermannsburg gehen gemäß Absprache mit der Oberschule alle Flüchtlinge zum Christian-Gymnasium, das zwei Sprachlernklassen mit 22 Schülern hat. „Ein Kind war noch nie in einer Schule, andere waren Jahre lang auf der Flucht“, berichtet Schulleiterin Mette-Bonde Schmid-Hennies. Dennoch klappe die Integration gut. „Die Kinder gehen morgens vier Stunden in die Sprachlern- und dann in die Regelklassen“, sagt Schmid-Hennies. Dabei sei darauf geachtet worden, dass die Kinder mit Schülern aus ihrem Ort in einer Klasse sind. Außerdem werde Schwimmunterricht angeboten.

Neben den Deutsch-Kursen gebe es zudem auch Englisch-Förderunterricht, damit die Schüler einen Abschluss erreichen können. „Bei der Mehrheit haben wir außerdem schon eine Sprachfestellungsprüfung in der Herkunftssprache durchgeführt“, erzählt die Hermannsburger Schulleiterin, „wenn das Niveau B1+ erreicht wird, ersetzt das die Verpflichtung, eine zweite Fremdsprache zu erlernen.“ Während die Sprachförderung inzwischen gut klappe, sieht Schmid-Hennies ein Defizit bei der Sozialarbeit. „Da bräuchten wir Unterstützung. Viele haben schreckliche Erfahrungen gemacht.“