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Celle Stadt Forderung nach Fach "Wirtschaft": Celler Schulleiter sehen keine Notwendigkeit
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Forderung nach Fach "Wirtschaft": Celler Schulleiter sehen keine Notwendigkeit
16:33 21.12.2016
Von Christopher Menge
Quelle: nicht zugewiesen
Celle Stadt

"Ich sehe dafür keine Notwendigkeit", sagt Hubertus Bühmann, Direktor des Immanuel-Kant-Gymnasiums Lachendorf, "im Fach Politik-Wirtschaft, das von der achten Klasse bis zum Abitur unterrichtet wird, ist alles Wichtige aus dem Wirtschaftsbereich drin." Strukturabläufe, Globalisierung und soziale Marktwirtschaft seien genauso Themen wie Vertragsrecht. "Das einzige, was vielleicht etwas zu kurz kommt, ist der praktische Umgang mit Formularen", so Bühmann, "aber das ist ja nicht das, was Wirtschaft ausmacht."

Die Forderung nach einem zusätzlichen Unterrichtsfach widerspreche absolut der Idee, die niedersächsischen Schüler von Pflichtunterricht zu entlasten, ergänzt der Direktor des Hermann-Billung-Gymnasiums Celle, Mirko Truscelli: "Ich denke, dass der aktuelle Fächerkanon die Schüler genug auf das spätere Leben vorbereitet. Wenn Nachholbedarf besteht, dann in produktionsorientierten Bereichen wie handwerkliches Geschick oder im Bereich Benehmen."

Fragestellungen der Wirtschaft seien schon lange fest etablierte Bestandteile des Faches Politik-Wirtschaft, meint auch Johannes Habekost. "Hinzu kommen wirtschaftliche Aspekte in Aufgabenstellungen im Fach Mathematik, sehr deutlich auch im Fach Erdkunde sowie im Fach Geschichte", sagt der Leiter des Gymnasiums Ernestinum in Celle. "Außerdem durchlaufen unsere Schüler verschiedene Phasen der Berufs- und Studienorientierung mit Praxistagen, verbindlichen Betriebspraktika, Ausbildungsmessen sowie Betriebs- und Universitäts-Exkursionen." Die Rückmeldungen der ehemaligen Abiturienten würden immer wieder bescheinigen, dass sich die ehemaligen Schüler ziemlich gut auf die nachfolgenden Anforderungen vorbereitet fühlen.

Jörg Lamm, Fachobmann für Politik-Wirtschaft am Christian-Gymnasium Hermannsburg, sieht ebenfalls keine Notwendigkeit für die Einführung eines separaten Faches "Wirtschaft". "Eine isolierte Betrachtung wirtschaftlicher Aspekte erscheint für das Gymnasium nicht sinnvoll. Vielmehr sollten wirtschaftliche Fragestellungen immer auch unter dem Gesichtspunkt der politischen, sozialen und gesellschaftlichen Konsequenzen betrachtet werden", sagt Lamm. Fortbildungen zu wirtschaftlichen Themen seien dagegen sehr sinnvoll. Am Christian-Gymnasium werden zusätzlich zum Regelunterricht Projekte durchgeführt, die sehr praxisbezogene Fragestellungen aufgreifen.

Während an der Gesamtschule Celle die Vorbereitungen für das Fach "Wirtschaft" erst im kommenden Halbjahr beginnen, da die Schule erst ab dem Schuljahr 2017/18 Achtklässler hat, bekommen die Schüler der Oberschule im Allertal nach Aussage von Schulleiter Bodo Theel bereits jetzt ein "vertieftes ökonomisches Wissen". Theel unterstützt die Forderungen des Verbandes grundsätzlich, fragt aber, "zu Lasten welcher Fächer noch mehr Wirtschaftsunterricht erteilt werden soll?" Derzeit könne eine Schule nur in einem begrenzten Umfang eigene Schwerpunktsetzungen zum Beispiel im Profil „Wirtschaft“ vornehmen und dadurch Schüler auf das spätere Leben noch gezielter vorbereiten.