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Celle Stadt Foto-Ausstellung: ganz normales Glück Down-Syndrom-betroffener Menschen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Foto-Ausstellung: ganz normales Glück Down-Syndrom-betroffener Menschen
12:01 02.09.2013
Das Foto „Entwicklung im Doppelpack“ zeigt die Zwillingsschwestern Laura und Lisa mit ihrem Vater Michael. Quelle: Rolf-Dieter Diehl
Celle Stadt

Jedes Jahr kommen in Deutschland einige hundert Kinder mit einer Störung in ihren Erbanlagen zur Welt, dem sogenannten Down-Syndrom. Und immer noch begegnet die Gesellschaft ihnen in der Öffentlichkeit zumeist mit Vorurteilen und Vorbehalten. Viele Menschen glauben fälschlicherweise immer noch, dass das Down-Syndrom – eine unveränderbare genetische Besonderheit aufgrund eines zusätzlichen Chromosoms – eine Krankheit sei. Wie unbegründet solche Ängste sind, zeigt eine sehenswerte Ausstellung im Hehlentorstift.

Christine Schmidt, selbst Mutter eines Kindes mit dem Handycap Down-Syndrom, hat die vor vier Jahren konzipierte Wanderausstellung mit viel Engagement nach Celle geholt. Die Ausstellung soll „Bilder in die Köpfe der Menschen bringen“ und damit die Akzeptanz von Menschen mit Down-Syndrom in der Gesellschaft verbessern. Auf eigene Kosten hat Schmidt daher schon vor geraumer Zeit alle 66 Schulleiter in Stadt und Landkreis Celle angeschrieben und zur Eröffnung dieser pädagogisch wertvollen Ausstellung eingeladen. „Nur acht von ihnen haben mir überhaupt geantwortet“, berichtet sie mit spürbarer Enttäuschung. Sie wünscht sich nach wie vor, dass neben zahlreichen Besuchern möglichst auch viele Schulklassen sich die Fotos und Begleittexte anschauen und miteinander darüber reden. „Eine eindrucksvollere Aufklärung kann es kaum geben“, begründet sie ihren Appell.

Unter dem Titel „Außergewöhnlich: Väterglück“ präsentiert der in Bielefeld ansässige „Arbeitskreis Down-Syndrom e.V.“ in dieser Ausstellung 22 bezaubernd kommentierte Fotos, in denen die Stuttgarter Fotografin Conny Wenk das gemeinsame Glück von betroffenen Kindern und ihren Vätern eingefangen hat. Kinder, die herumtoben und dabei vor Vergnügen kreischen, Kinder, die mit ihrem Vater schmusen und unbeschwerte Geborgenheit vermitteln, Kinder, die keinen Zweifel daran lassen, dass das Extra-Chromosom dem ganz normalen Glück nicht im Wege steht. Da ist beispielsweise Tim, der schon in im Gitterbettchen seine Kletterleidenschaft entdeckt hat und der ganze Stolz seines Vaters ist: „Wir werden uns gemeinsam anseilen und nach oben kommen.“ Oder Máxima, die ihren Vater gelehrt hat, mit dem Herzen zu sehen, denn „das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“. Diese Kinder strahlen eine ungemeine Lebensfreude aus. Sie stecken mit ihrer offenherzigen „Don‘t worry, be happy“-Mentalität ihre Eltern und Geschwister sogar noch an und lassen im wahrsten Wortsinn erst gar keine Trübsal aufkommen. „Lass sie doch lachen! Ist doch schön, wenn sie lustig sind“, sagte Schmidts damals neunjähriger Sohn Nathan entwaffnend zu seiner Mutter, als wieder einmal einige Passanten meinten, sich über ihn lustig machen zu müssen. Der Gedankenlosigkeit solcher Mitmenschen kann diese Ausstellung nachhaltig entgegen wirken. „Jeder sollte für das, was er kann, anerkannt und nicht nach dem, was er nicht kann, beurteilt werden“, hat der stolze Vater eines betroffenen Kindes die gebotene Prämisse trefflich formuliert.

Von Rolf-Dieter Diehl