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Celle Stadt Fragwürdiger Erfolg
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Fragwürdiger Erfolg
21:19 20.02.2012
Celle Stadt

„Noch so ein Sieg, und ich bin verloren“, soll der griechische König und Feldherr Pyrrhus einmal gesagt haben. Vielleicht denkt FDP-Chef und Vizekanzler Philipp Rösler bald ähnlich. In den Augen vieler Unionspolitiker hat er einen schmählichen Verrat begangen, als er sich bei der Kandidatenkür für das Amt des Bundespräsidenten auf die Seite von SPD und Grünen schlug. Der Bruch der schwarz-gelben Koalition wurde zwar noch einmal abgewendet, aber das Klima ist – allen offiziellen Dementis zum Trotz – vergiftet.

Dass die Opposition das Regierungsbündnis als völlig zerrüttet bezeichnet, dürfte niemanden überraschen. Doch auch in der Union werden offensichtlich die Messer gewetzt. „Man sieht sich im Leben immer zweimal“, droht CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach den Liberalen. Und auch andere Unionspolitiker beklagen die Unzuverlässigkeit der Zwei-Prozent-Partei.

Die konnte zwar kurzfristig punkten. Doch mittelfristig riskiert sie nicht nur den Fortbestand der Regierung, sondern auch ihre eigene Existenz. Im Moment spricht wenig dafür, dass sie bei Neuwahlen noch einmal in den Bundestag kommt. Insofern erübrigt sich eigentlich auch ihr Schielen nach einer Ampel-Koalition mit SPD und Grünen.

Größere Wahlmöglichkeiten gibt es da schon für die beiden Volksparteien. Union und SPD haben von 2005 bis 2009 bereits bewiesen, dass sie im Großen und Ganzen gut zusammenarbeiten können. Schwarz-Gelb war danach mit vielen Vorschusslorbeeren, stabiler Mehrheit im Bundesrat und gewaltigem Elan gestartet. Doch schon bald mussten Union und FDP erkennen, dass sie im Grunde gar nicht zueinander passen. Zwischen einer Volks- und einer Klientelpartei liegen halt doch Welten.

Vielleicht bedenkt das auch die SPD, ehe sie ihre Fühler in Richtung Grüne oder Piraten ausstreckt. Und sollten die Sozialdemokraten auf Bundesebene gar mit der Linkspartei anbändeln, dürfte es einen geben, der ihnen deutlich vernehmbar in die Parade fährt - der neue Bundespräsident Joachim Gauck.

Michael Regehly

Von Michael Regehly