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Celle Stadt „FrauenSaiten“ in Celle aus der Reserve gelockt
Celle Aus der Stadt Celle Stadt „FrauenSaiten“ in Celle aus der Reserve gelockt
21:36 08.02.2015
Das aus der Ukraine stammende Musiker-Ehepaar "Duo Kalinowsky", Bella Kalinowska (Klavier) und Semjon Kalinowsky (Viola), gastierte am Freitag im Beckmannsaal. Quelle: Benjamin Westhoff
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So standen Stücke von Clara Schumann (1819-1896) und Fanny Hensel-Mendelssohn (1805-1847) ebenso auf dem Programm wie Stücke von weniger populären Komponistinnen, darunter die weithin unbekannte Rebecca Clarke (1886-1979). Doch nutzte Bella Kalinowska die Gelegenheit, um auch sie dem Publikum in der Anmoderation durch anekdotische Charakterbeschreibungen näherzubringen.

So wie auch bei der frühromantischen Cellosonate von Helene Liebmann (1796-1835) mit ihren hinreißenden Variationen des bereits damals überaus populären Duetts „Là ci darem la mano“ (Reich mir die Hand, mein Leben) aus Mozarts Oper „Don Giovanni“. Lustvoll, aber mit kontrolliertem Enthusiasmus nutzte das Duo jede Gelegenheit, in der schwerelosen Melodienseligkeit des subtilen Instrumentalgesangs aus dialogischem Musizieren Funken zu schlagen. Beide wussten dabei Gefühle auszuleben und dabei Gefühliges zu meiden.

Die Interpretationen waren geprägt durch die präzise, klanglich weit ausladende Artikulation des Bratschisten, die von emotionalen Schwebstoffen bis zu expressiven Ausdrucksnuancen reichten. Behutsam und geradezu liebevoll, dabei weder zögerlich noch zimperlich, sondern mit Grazie und unaufgeregtem Selbstbewusstsein führte Semjon Kalinowsky den Bogen.

Und seine Frau war ihm kongeniale Partnerin, die ihm auch die letzte Feinarbeit nicht allein überließ. Sie nutzte ihren Gestaltungsspielraum für die rhythmische Phrasierung ebenso wie für ein ungemein perlendes Dahinfließen, etwa bei Clara Schumanns Romanzen mit ihrer zu Herzen gehenden vibrierenden Poesie und Leidenschaft. Oder in Fanny Hensel-Mendelssohns Adagio, in dem sich gebündelte Energie in zarten Kantilenen verströmte. Dabei wusste sie ihr Spiel mit einer wohldosierten Prise jener Lässigkeit zu würzen, mit der man auch weniger eingängige Musik quasi aus der Reserve zu locken vermag.

Von Rolf-Dieter Diehl