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Celle Stadt Frech, frivol und fulminant: Kay Ray in Celle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Frech, frivol und fulminant: Kay Ray in Celle
19:08 05.10.2016
Celle Stadt

Kay Ray unterhält bestens, seine markante Stimme und sein schauspielerisches Talent setzen die ausgefeilten Monologe und selbst geschriebenen Lieder perfekt in Szene. Aber wehe es fällt ein Stichwort, das ihm die Überleitung zu seinem Liebes- oder, besser gesagt, Sexleben, denn darauf scheint es sich zu beschränken, ermöglicht: „Man wird heute so schnell in die rechte Ecke geschoben, also ich schlafe ja links, nackt“, und dann legt er los. „Das nimmt man aus meinem Programm mit nach Hause, Dinge, die man gar nicht wissen will“, resümiert der Künstler, der Frauen und Männer liebt.

Der Grad an Boshaftigkeit und Grenzüberschreitungen steigert sich kontinuierlich, in die Pause entlässt Kay Ray seine Zuschauer mit der Detonation eines Selbstmordattentäters – ohne Vorwarnung. Er ist selbst überrascht, dass zum zweiten Teil alle Stühle wieder besetzt sind. Vor nichts und niemandem hat dieser Mann Respekt, Ostdeutsche mag er nicht, allen voran die Kanzlerin, der er empfiehlt, die Zeit um 26 Jahre zurückzudrehen, Behinderten-, Polen- und Judenwitze gehören zum Repertoire. Frech ist oft nicht der passende Ausdruck, böse trifft es eher.

Kay Ray diskriminiert und spottet nach Herzenslust. Wenn er sich die Biowolle verkaufende, ihre Kinder antiautoritär erziehende Vegetarierin vorknöpft, spricht er aus, was manche womöglich immer schon gedacht, sich aber nie zu sagen getraut haben. Eventuell eine Zutat seines Erfolgsrezeptes. Kay Ray ist nichts für Zartbesaitete, der Hamburger polarisiert ohne Frage, aber wer diese Art des Humors mag, dem wird sie von ihm in Spitzenqualität geboten.

Von Anke Schlicht