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Celle Stadt Freie Fahrt für freie Radfahrer in Celle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Freie Fahrt für freie Radfahrer in Celle
21:02 17.03.2015
Von Gunther Meinrenken
Radweg zu schmal und auch noch Bäume im Weg. Auch entlang der 77er Straße soll die Benutzungspflicht für Radwege aufgehoben werden. Quelle: Benjamin Westhoff
Celle Stadt

Sprengerstraße, Dörnbergstraße, Wittinger Straße oder auch Bernstorffstraße. An all diesen Verbindungen dürfen Fahrradfahrer schon seit einiger Zeit auch auf der Fahrbahn radeln. Die Benutzungspflicht für die danebenlaufenden Radwege ist aufgehoben worden. Doch damit ist das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht. In den folgenden Wochen und Monaten werden noch weit über 100 Straßenabschnitte dazukommen. Die Stadt setzt damit die geforderte Behandlung von Radfahrern als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer um, außerdem, so haben Studien festgestellt, sei es auf der Straße für Radfahrer sicherer.

"Seit 1997 gab es drei Novellen der Straßenverkehrsordnung, die alle auf die Gleichstellung von Radfahrern abzielten", erklärt Jörg Frohnert, Fahrradbeauftragter der Stadt Celle und Leiter der "AG Fahr Rad". So habe die Stadt in den vergangenen Jahren bereits 45 der 65 Einbahnstraßen für den gegenläufigen Radverkehr geöffnet. Jetzt kümmere man sich im Neuen Rathaus verstärkt um die Benutzungspflicht von Fahrradwegen, die durch ein weißes Fahrrad auf blauem Grund auf einem Verkehrsschild angezeigt wird. In den vergangenen Monaten sind schon einige dieser Schilder verschwunden.

Nach dem Gesetzeswerk, das bereits seit einigen Jahren in Kraft ist, ist ein Radweg eigentlich schon lange kein Radweg mehr, wenn er nicht bestimmte Voraussetzungen erfüllt. Ansonsten können die Radler auf die Straße ausweichen. "Die Mindestbreite muss 1,50 Meter betragen", teilt Frohnert mit. Doch es gibt noch andere Kriterien. Dazu zählen etwa die Verkehrsmenge, die Beläge, der Zustand des Fahrradweges und die Zumutbarkeit. Unter all diesen Gesichtspunkten haben Frohnert und seine Mitarbeiter in den vergangenen drei Monaten insgesamt 550 Abschnitte im Stadtgebiet unter die Lupe genommen. Ergebnis: An 135 von ihnen soll die Benutzungspflicht für Fahrradfahrer aufgehoben werden.

Doch die reine Breite entscheidet letztlich noch nicht darüber, ob die Radler auf der Straße fahren dürfen. Beispiel Mühlenstraße. Vom Zustand und von der Breite her, könnte die Benutzungspflicht aufgehoben werden. Doch das wird nie geschehen. "Auf der Mühlenstraße fahren pro Tag bis zu 25.000 Fahrzeuge. Das ist zu gefährlich. Wir sind gehalten, die Sicherheit der Fahrradfahrer zu gewährleisten", berichtet Frohnert.

An anderen Stellen im Stadtgebiet wird es wesentlich einfacher werden, die Benutzungspflicht aufzuheben. Etwa in der Dasselsbrucher Straße. Dort ist der Radweg sogar nur 80 Zentimeter breit. Mit bis zu 5000 Fahrzeugen pro Tag schätzt Frohnert die Verkehrssituation als nicht besonders problematisch ein. Hier werden demnächst die blauen Radwegeschilder einfach abgeschraubt und schon ist die Benutzungspflicht aufgehoben. "Wer will, darf natürlich weiterhin auf dem Fahrradweg fahren", betont Frohnert.

Einziges Problem: Dass die blauen Schilder abgeschraubt wurden, dürfte kaum einem Radfahrer auffallen und wohl erst recht keinem Autofahrer, der dann schimpfend und hupend an dem Radler, der auf der Straße fährt, obwohl direkt nebenan ein Radweg ist, vorbeifährt. "Alle müssen aufmerksamer sein und sich an die neue Situation gewöhnen. Die Autofahrer werden sich darauf einstellen müssen, dass Radfahrer gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer sind", so der Fahrradbeauftragte der Stadt.