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Celle Stadt Freimaurer in Celle halten Schiebler in Ehren
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Freimaurer in Celle halten Schiebler in Ehren
16:05 28.10.2016
Im Meisterzimmer der Freimaurerloge "Zum hellleuchtenden Stern" hängen viele bekannte Persönlichkeiten aus Celle. So auch Baumschul-Unternehmer Friedrich Ludwig Ebermann, der Louis Schiebler genannt wurde. Aktuell ist Alexander Trettin "Meister vom Stuhl". Im Logengarten steht nun der Grabstein von Schiebler mit dem vermeintlichen Davidstern Quelle: Oliver Knoblich
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"Das war ein echter Akt." Denn der Grabstein ist fast so groß wie ein Obelisk und mehrere Hundert Kilogramm schwer. Er erinnert an einstige Besitztümer der Schieblers , die die “Königliche Hof-Sämereienhandlung und Baumschule Celle” betrieben und daraus die größte Baumschule Europas machten.

Mitte des 19. Jahrhunderts trat der Gärtner Jakob Friedrich Ludwig Ebermann in das Familienunternehmen ein und erwarb Gut Tannholz an der neu gebauten Bahnlinie Hamburg-Hannover. Anlässlich des Besuches des Königs von Hannover ließ Ebermann auf Anregung des Königs seinen Namen ändern und nannte sich fortan Louis Schiebler. Ein weiterer Wunsch war die Einrichtung eines Privatfriedhofes auf der anderen Seite der Bahnschienen.

"Meine Mutter hat dafür gesorgt, dass der Friedhof immer gepflegt wurde", sagt Koop. Jede Woche ließ sie den Kiesweg harken. Schließlich besuchte sie regelmäßig das Grab ihres Vaters, da dieser mit 30 Jahren an Leukämie gestorben war. Doch seit vielen Jahren sehe der Friedhof "traurig" aus. Seitdem die Schranke weg ist und die Bahnstrecke elektrifiziert wurde, fiel es der Familie schwer, den Friedhof in Schuss zu halten. "Die Nachbarskinder aus den Vorwerksiedlungen haben ihn kaputt gemacht, bis wir keine Lust mehr hatten, dort etwas zu machen", erklärt Knoop. "Für die Jugendlichen war das ein Abenteuerspielplatz, sie haben alles auf den Kopf gestellt." Als die Jüdische Gemeinde entdeckte, dass sich auf dem Grabstein Louis Schiebler ein vermeintlicher Davidstern befand, kümmerte sie sich viele Jahre um die Pflege der Friedhofes im Glauben es handele sich bei den Schieblers um Juden.

Vor etwa drei, vier Jahren bekam Ralf Taubald den Tipp eines Logenbruders, dass auf dem Privatfriedhof auch ein Freimaurer liege: "Dann sind wir zu viert losgegangen und haben zuerst an der falschen Stelle geguckt." Dann wurden die Freimaurer doch fündig. "Wir waren uns einig, dass wir nicht den ganzen Friedhof aufleben lassen können. Aber wir wollten das Umfeld des Grabsteins unseres früheren 'Meisters vom Stuhl' würdiger gestalten", erzählt Taubald. Nachfahre Koop freute sich über diese Idee und brachte den schweren Stein in den Logengarten am Magnusgraben.

In ihrem Meisterzimmer hüten die Freimaurer noch einen weiteren Schatz. Denn dort hängt ein Porträt von Louis Schiebler. Der heutige "Meister vom Stuhl" Alexander Trettin sagt: "Wir haben in unserem Archiv nicht mehr viel gefunden. Schiebler war Meister vom Stuhl des Hellleuchtenden Sterns wie nach ihm einer seiner Söhne. Er war drei Jahre im Amt und nicht unbeliebt. Er war ein Mensch unter Menschen."

Von Dagny Rößler