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Celle Stadt Freiwillig will keiner Celle verlassen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Freiwillig will keiner Celle verlassen
17:22 06.01.2017
Von Michael Ende
Quelle: Sebastian Willnow
Celle Stadt

Einer dieser Menschen, die in Celle ein besseres Leben suchen und nicht zurück in die Heimat wollen, war zum Beispiel der Mann, der Anfang November in der Flüchtlingsunterkunft an der Hohen Wende damit drohte, sich mit einem Messer umzubringen. Er wurde von Polizisten überwältigt und in eine psychiatrische Klinik gebracht. Ihm drohte die Abschiebung. Der Serbe müsste eigentlich wissen, dass er praktisch keine Aussicht auf Asyl in Deutschland hat – schließlich gilt Serbien als sicheres Herkunftsland, ist sogar EU-Beitrittskandidat. Der suizidgefährdete Serbe sei nicht mehr in Celle, so Fischer: „Die gesamte Familie ist unmittelbar nach dem Vorfall nach Braunschweig zurück verlegt worden. Aktuelles wissen wir nicht.“

Derzeit laufen in Celle 694 Asylverfahren. Trotz geringer Chancen auf dauerhafte Aufnahme machen sich immer wieder Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien auf in Richtung Deutschland. „Etwa 70 Prozent der ausreisepflichtigen abgelehnten Asylbewerber in Celle kommen aus den Balkanstaaten“, sagt Fischer. Die meisten ausreisepflichtigen Menschen beriefen sich auf medizinische Gründe, besorgten sich Atteste, um der Abschiebung zu entgehen. Oder sie beschreiten den Behördenweg bis zuletzt, so Fischer: „Teilweise sind auch noch Eingaben bei der Härtefallkommission anhängig.“ Dieses Spiel auf Zeit könne sich hinziehen: „Diese Verfahren dauern oftmals auch über mehrere Jahre.“

Bekannt sei auch, das Menschen ohne Ausweispapiere von Deutschland aus nicht einfach so in andere Länder verfrachtet werden könnten, sagt Fischer. Manche abgelehnten Asylbewerber hätten einfach keine Dokumente: „Nicht vorhandene Pässe sind auch weiterhin ein Grund für verhinderte Abschiebungen. Der Anteil ist bei uns aber nicht mehr so hoch wie in vergangenen Zeiten. Wenn ein Bleiberecht winkt, tauchen die Pässe auf einmal auf. Das hat sich nicht geändert.“

Scheinehen zwecks Erlangung der Staatsbürgerschaft scheine es zwischen Ausländern und Deutschen nicht zu geben, erklärt Fischer: „Eheschließungen von abgelehnten Asylbewerbern spielen bisher eine kleine Rolle. Weitere Duldungsgründe sind hier geborene Kinder von alleinstehenden Asylbewerberinnen, wo auf einmal ein deutscher angeblicher Vater auftaucht oder ein Ausländer mit Aufenthaltsrecht.“

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat jetzt von einer Masche berichtet, die einige Flüchtlinge seiner Meinung nach anwendeten, um einer Abschiebung zu entgehen. Sein Vorwurf: Die Betroffenen begingen kurz vor dem Abflug-Termin Straftaten und ließen sich dabei vorsätzlich erwischen – in dem Wissen, dass ihre Abschiebung dann zunächst vom Tisch sei. Schließlich müssten die Täter erst einmal in Deutschland bestraft werden, bevor man an eine Repatriierung denken könne.

Unklar sei, wie es mit den Afghanen in Celle weitergehe, nach dem der Bund das vom Krieg zerrüttete Land am Hindukusch als „sicher“ genug für Abschiebungen eingestuft habe, so Fischer: „Wir bekommen in letzter Zeit kaum Entscheidungen vom Bundesamt von Afghanen.“ Das Bundesamt solle afghanische Asylbewerber inzwischen ablehnen: „Das Verwaltungsgericht Lüneburg ist wohl noch anderer Auffassung und erkennt noch einen vorübergehenden Abschiebungsschutz an. Aber darüber haben wir keine gesicherten Erkenntnisse.“

Gesicherte Erkenntnisse gibt es allerdings darüber, dass Afghanen, die vom muslimischen zum christlichen Glauben konvertieren, in ihrer Heimat definitiv Verfolgung und Tod drohen. Manche Afghane lassen sich trotzdem oder gerade deshalb in Celle taufen. Wer darauf spekuliere, als in Lebensgefahr schwebender Konvertit nicht abgeschoben zu werden, habe damit vermutlich Erfolg, sagt Fischer: „Die Masche ist nicht nur bei Afghanen bekannt. Auf Anhieb fällt mir Iran ein. Wenn die Taufe nachgewiesen wird, funktioniert das schon.“