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Celle Stadt Freshtorge in Celle: "Ausbildung kann ganzes Leben prägen" (mit Video)
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Freshtorge in Celle: "Ausbildung kann ganzes Leben prägen" (mit Video)
22:55 15.03.2017
Celle Stadt

„Streberhaft durchgezogen“ habe er seine Ausbildung, erklärt Oelrich. Natürlich habe auch er Durchhänger in seiner Schulzeit oder Ausbildung gehabt, doch man müsse sich einfach motivieren. „Wer einen tollen Urlaub machen will, der muss auch was dafür tun“, betont der Youtuber. Vor elf Jahren hat Freshtorge eine Ausbildung zum sozialpädagogischen Assistenten begonnen, die er nach zwei Jahren abgeschlossen hat. Zu dieser Zeit stieß Oelrich auch zum ersten Mal auf die damals noch vollkommen neue Internetseite Youtube. Auf seinem Kanal stellte der damals 18-Jährige erste Partyvideos für seine Freunde online. Im Anschluss an seine Ausbildung entschied sich Oelrich für eine Ausbildung zum Erzieher. In dieser Zeit hatte sein Kanal „freshaltefolie“ bereits rund 500.000 Fans.

Vormittags: Erzieher in der Grundschule in Wesselburen. Nachmittags: Videos für seinen Kanal produzieren. Eine spannende, aber auch arbeitsreiche Phase für den Blogger. Mit 1,6 Millionen Abonnenten hätte er schon damals gut davon leben können. Doch Youtube sei kein typischer Arbeitgeber. „Da bist du nicht versichert“, sagt Oelrich, „eine Gewerkschaft gibt es auch nicht.“

Für den Blogger waren in seiner Berufsentscheidung zwei Dinge klar, wie er den 550 Besuchern verriet. „Was mit Kindern und Jugendlichen machen und kein Mathe in der Ausbildung.“ Ein Raunen geht durch die Masse: Mathe scheint bei vielen jungen Cellern nicht zu den Lieblingsfächern zu gehören. Unterstützung habe er auch in Gesprächen mit dem Jobcenter bekommen. Dies findet der 28-Jährige besonders wichtig, wenn es an beruflichen Vorbildern mangelt. „Ihr müsst nicht alleine vor den Problemen stehen“, betont Oelrich, „nehmt Entscheidungshilfen in Anspruch.“ Ansprechpartner fänden sich überall, ob im Freundeskreis oder eben in den Jobcentern.

In seinen Eltern hat Oelrich selbst seine Vorbilder gefunden. „Mir war total klar, dass ich die Schule und Ausbildung beende“, sagt Freshtorge. Selbst Erfahrungen machen und Dinge ausprobieren, sind für den Blogger besonders wichtig. Praktika im Kindergarten und in der Kinder- und Jugendpsychiatrie haben den Wunsch, im sozialen Bereich zu arbeiten, noch weiter verstärkt. „Ich hätte auch mal ganz woanders etwas machen sollen“, gibt er im Nachhinein zu, „das habe ich versäumt.“

Trotz einer Hauptschulempfehlung habe er die Realschule besucht und seine Ausbildung gemacht. Danach habe er alle weiteren Möglichkeiten gehabt. „Nicht unterkriegen lassen“, ermutigt er seine Fans. Doch klar sei auch, dass einem nichts geschenkt werde. „Eine Ausbildung kann ein ganzes Leben prägen“, ist sich der Blogger sicher.

Für seine Fans hat sich Freshtorge im Anschluss noch kräftig Zeit genommen. Fragen beantwortet, Autogramme gegeben und natürlich sein Gesicht für Selfies hingehalten. Gut, dass bei den rund 22 Ausstellern auch Make-up-Artists am Start waren. Denn nicht nur für die Bewerbungsfotos, die direkt vor Ort gemacht wurden, hatten sich viele junge Besucher noch schnell schminken lassen. Milena Liebau befindet sich gerade selbst im zweiten Lehrjahr ihrer Frisör-Ausbildung. Während sie ihre Berufsinteressierten stylt, erklärt sie, welche Eigenschaften sie mitbringen sollten. „Neugier und den Mut haben, sich weiterzuentwickeln“, erläutert die 20-Jährige.

Gut vorbereitet kommt Kim Linneweh zur Ausbildungsmesse. „Deine Bewerbung ist schon wirklich gut“, sagt Lars Heintel, Mitarbeiter der Agentur für Arbeit, der ihr Anschreiben checkt. „Ich will mich hier gleich bei einem Unternehmen bewerben“, erklärt die 18-Jährige. Doch vorher wollte sie sich noch einmal einen Expertenrat holen.