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Celle Stadt Friedensaktivist Reuven Moskovitz findet in Celle deutliche Worte zum Nahost-Konflikt
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Friedensaktivist Reuven Moskovitz findet in Celle deutliche Worte zum Nahost-Konflikt
17:23 19.04.2016
Von Carsten Richter
Celle Stadt

„Das Schicksal der Palästinenser schreit zum Himmel. Mir bricht das Herz, wenn ich sehe, wie man unsere Nachbarn behandelt“, sagte Moskovitz, der für seine Bemühungen um Völkerverständigung 2003 mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnet wurde. Mit kräftiger Stimme las er in seinem etwa 45-minütigen Vortrag aus seinem neuen Buch „Ein Leben für Gerechtigkeit, Liebe und Versöhnung“ und gab eine realistische Einschätzung der Chancen auf Aussöhnung. „Die Weichen dafür stehen schlecht, sie stehen nur auf Verleumdung und Verfolgung.“ Das Problem sei, dass der Großteil der israelischen Bevölkerung nicht merke, „dass wir in die falsche Richtung fahren“.

Moskovitz, der für seine klare Haltung zu Israel („Ich liebe dieses Land, aber nicht seine Politik“) von seinen Kritikern als „Nestbeschmutzer“ beschimpft wird, nahm aus historischen Gründen auch Deutschland in die Pflicht. Als Holocaust-Überlebender forderte er „einen ehrlichen Schiedsrichter“. Diese Rolle könne Deutschland übernehmen, indem es „ein freundliches Machtwort“ spreche. Bislang aber wirke es durch die einseitige Unterstützung Israels an der „Tragödie, deren Verlierer die Palästinenser sind“, mit.

Der Gaza-Streifen sei „eines der schrecklichsten Konzentrationslager“, beschreibt Moskovitz die Situation in den besetzten Gebieten. Und noch eine Parallele zur deutschen Geschichte zog er: „Wenn die Politik Menschen verführt, kann nichts Gutes dabei herauskommen“, so Moskovitz mit Anspielung auf das NS-Regime unter Hitler. „So ähnlich ist es bei uns passiert. Israel wird von unheiligen Menschen regiert.“

Bei aller Kritik und mahnenden Worten äußerte der Mitbegründer des Friedensdorfes Newe Schalom auch ein wenig Zuversicht. Viele gut ausgebildete Araber seien in Israel als Lehrer, Ärzte oder Anwälte tätig. „Es gibt eine Möglichkeit des Zusammenlebens“, ist Moskovitz überzeugt, der zudem große Hoffnung auf Papst Franziskus setzt. „Die Welt braucht eine neue Botschaft.“

Und so klang in seinem Mundharmonikaspiel im Anschluss an seinen Vortrag nicht nur Tragik, sondern auch ein wenig Freude mit. Im Sechstagekrieg 1967 hat er das Instrument zum ersten Mal gespielt – beigebracht haben es ihm Kinder aus den besetzten pälästinensischen Gebieten.