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Celle Stadt Friedensfeuer "fährt" auch durch Celle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Friedensfeuer "fährt" auch durch Celle
19:08 07.05.2015
Verlegerin Friederike Pfingsten empfängt Janwillem van der Sande an der Bahnhofstraße. Der deutsch-holländische Radfahrer bringt das "Friedensfeuer" bis nach Berlin. Quelle: Benjamin Westhoff
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NEUENHÄUSEN. Als Janwillem van der Sande kurz nach 17 Uhr in der Bahnhofstraße ankommt, hat er schon 220 Kilometer in den Beinen. Um acht Uhr morgens brach der Radfahrer in Münster auf, um das "Friedensfeuer" weiter in Richtung Berlin zu tragen. "Ich hatte Glück mit dem Wind, er hat mich leicht von hinten geschoben". Am Dienstag startete der 23-Jährige seine 635 kilometerlange Tour im niederländischen Wageningen zum "Bevrijdingsdag", entzündete dort die Leuchte.

Von dort strömen junge Sportler mit einem Licht in nahezu jede Stadt der Niederlande aus, um der Befreiung von deutschen Besatzern zu gedenken. Zum 70. Jahrestag wird es heute am 8. Mai zum historischen Ort gebracht, an dem die endgültige Kapitulation besiegelt wurde. In Berlin-Karlshorst feiert das Deutsch-Russische Museum dies mit einem großen Fest. "Die vier Tage bis zum Kriegsende waren damals eine chaotische Zeit. Wir müssen uns bewusst machen, dass die Ereignisse erst 70 Jahre her sind", sagt der deutsch-holländische Sportler.

Als Deutscher Meister im Radfahren von 2006 ist er genau der richtige für so eine Aktion, denn seine Großeltern standen zu Kriegsende 1945 auf der jeweils anderen Seite. Sein deutscher Großvater kämpfte an der Westfront. Sein niederländischer Großvater half dabei, eine jüdische Familie zu verstecken. Nicht für alle brach mit der Befreiung eine bessere Zeit an. Die niederländische Großmutter verlor ihre Mutter bei einem Autounfall mit einem britischen Militärjeep.

Die Familie fiebert auch an diesen Tagen mit. Vater Cornelius van der Sande begleitet seinen Sohn mit dem Auto. Darin findet auch das kleine Friedensfeuer in Form einer englischen Minenlampe Platz. Bevor es in die Hauptstadt und auf den Weg nach Rathenow geht, kehren die beiden am Mittwoch aber erst einmal beim Italiener in der Fachwerkstadt ein.

Von Dagny Rößler