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Celle Stadt Friedhof Altenceller Feld: Wo Pflanzen den Fluss des Lebens symbolisieren
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Friedhof Altenceller Feld: Wo Pflanzen den Fluss des Lebens symbolisieren
16:01 26.11.2014
Friedhof Altencelle/Blumenlage: Der Pfau nimmt im Glauben der Eziden eine zentrale Rolle ein. Quelle: Martina Hancke
Celle Stadt

Zwei Grünspechte sitzen in einer hohen Kiefer und schauen unbeeindruckt auf das Ehepaar, das liebevoll ein Gesteck auf einem gepflegten Grab platziert. Die Erde ist sorgfältig geharkt, auch auf den anderen Stätten stehen frische Pflanzen, die zum Volkstrauertag und Totensonntag gesetzt wurden.

Hier sorgen die Angehörigen noch selbst für ihre Gräber, bestätigen die städtischen Friedhofsgärtner, die sich hauptsächlich um die Randbepflanzung und das Gehölz kümmern. Anonyme Gräber gibt es auf dem Friedhof Blumlage/Altencelle nicht. Die Anlage ist die jüngste der acht kommunalen Friedhöfe in Celle. Sie entstand in den 1990er Jahren.

„Im Prinzip würde für die Stadt Celle der große Waldfriedhof in Wietzenbruch ausreichen“, erklärt Harry Sinkel, Friedhofsverwalter im Fachdienst Friedhöfe der Stadt Celle. „Aber gerade die ältere Generation hat das Bedürfnis, nahe am eigenen Heim begraben zu liegen. Und für die Hinterbliebenen, meist ältere Ehepartner, ist es auch schwierig, für die Grabpflege durch die ganze Stadt zu fahren.“

Vernachlässigt wirkt hier kaum ein Grab. In den Reihenlagen sind die einzelnen Stätten säuberlich mit Steinrechtecken begrenzt. Chrysanthemen und Heide bilden um diese Jahreszeit die traditionelle Pflanzung. Buchs und Lebensbaum kommen hinzu. Beim Gang durch die Gräberreihen bleibt der Blick hin und wieder an der Abbildung eines Pfauenvogels auf einigen Grabplatten hängen. Hier liegen ezidische Bürger begraben, in deren Glauben der Engel Tawisi Melek in Gestalt eines Pfaus eine zentrale Rolle einnimmt.

Auffällig in Altencelle ist die moderne Grabgestaltung, die seit einigen Jahren auch auf Landes- und Bundesgartenschauen präsentiert wird. Durch Farb- und Pflanzenauswahl entstehen Formen wie Kreise oder Bänder auf den Gräbern, die nicht selten den Lebensfluss oder -kreislauf symbolisieren. Kies und Steinplatten sollen die Grabstellen pflegeleichter machen. „Als es meiner Mutter immer schwerer fiel, das Urnengrab meines Vaters zu pflegen, haben wir zwei Drittel mit einer Marmorplatte abgedeckt und lediglich den unteren Teil für eine Bepflanzung freigelassen“, erzählt eine Friedhofsbesucherin. So wurde die Arbeit reduziert, aber nicht ganz an andere abgegeben; denn der regelmäßige Besuch des Friedhofes, die Betreuung des Grabes, bringt vielen Trauernden Trost.

Von Martina Hancke