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Celle Stadt Friedhof im Dornröschenschlaf: Jüdisches Gräberfeld im Celler Hehlentorgebiet
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Friedhof im Dornröschenschlaf: Jüdisches Gräberfeld im Celler Hehlentorgebiet
17:45 24.01.2014
Von Gunther Meinrenken
Das Wurzelwerk großer Bäume hat einige Grabsteine bereits zur Seite gedrängt. Quelle: Benjamin Westhoff
Celle Stadt

Mit Laub und Ästen verschüttete Wege und Treppenaufgänge, verwitterte Grabsteine, auf denen sich teilweise großflächig Moos angesetzt hat oder schief stehende Grabmale, die durch große Bäume an die Seite gedrängt werden – der Jüdische Friedhof in Celle macht zurzeit nicht gerade den besten Eindruck. Das Grundstück ist im Besitz des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Niedersachsen. Dort würde man an dem Zustand generell gerne etwas ändern, doch fehlen die finanziellen Mittel.

"Wir haben insgesamt 230 Friedhöfe in Niedersachsen, um die wir uns kümmern müssen. Das bedeutet einen enormen Verwaltungsaufwand", erklärte Michael Fürst, Vorsitzender des Landesverbands Jüdischer Gemeinden. In einem Staatsvertrag sei geregelt, dass der Verband einen bestimmten Betrag pro Quadratmeter für nicht mehr belegte Friedhofsflächen bekomme. "Doch dieses Geld reicht gerade einmal für die Grundpflege", so Fürst.

In Celle gibt es einen Vertrag mit der Stadt, die die Pflege des Friedhofs übernommen hat. Diese Vereinbarung beinhaltet: „Rasen mähen, freischneiden der Grabsteine sowie Laubbeseitigung. Das umfasst etwa vier Pflegegänge pro Jahr. Darüber hinaus gehende Maßnahmen erfolgen nach Absprache mit dem Landesverband. Zuletzt haben wir Totholz herausgeschnitten“, teilte Stadtsprecherin Myriam Meißner mit. Für die Säuberung der Grabsteine beschäftigt der Landesverband eine Spezialfirma.

Dass der Friedhof die meiste Zeit geschlossen ist, hat nichts mit der Sorge um antisemitische Anschläge zu tun. „Mit so etwas muss man offensiv umgehen, am liebsten würde ich die Anlage ganzjährig geöffnet haben, bis auf den jüdischen Feiertag am Sonnabend. Aber der organisatorische Aufwand ist zu groß. Wir bräuchten eine Person, die bereit wäre, sich das ganz Jahr darum zu kümmern“, sagte Fürst.

So liegt ein Schlüssel bei der Tourist-Info und einer bei Sabine Maehnert, der Leiterin des Stadtarchivs. Bei Anfragen für Führungen oder Besuche von Angehörigen gibt sie ihn heraus. Die Nachfrage hielte sich allerdings in Grenzen. „Wir hatten mal versucht, Schulklassen für die Pflege zu gewinnen oder dafür einen Freundeskreis ins Leben zu rufen, aber das hat nicht geklappt“, berichtete Maehnert. Wer Interesse hat, sich um den Jüdischen Friedhof zu kümmern, kann sich bei Maehnert unter ☏ (05141) 936000 melden.