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Celle Stadt Frisch, klangschön, begeisternd
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Frisch, klangschön, begeisternd
11:48 18.08.2010
Niedersächsischen Tage der Jüdischen Musik 2010: Andor Iszák in der Synagoge in Celle Quelle: Peter Müller
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Es gibt Konzerte, nach denen man nicht nur angetan nach Hause geht, sondern geradezu von Entdeckungen beflügelt das Konzert am liebsten gleich noch ein zweites Mal hören würde. Im Falle des von der Christlich-Jüdischen Gesellschaft organisierten Gastauftrittes des Europäischen Synagogalchores aus Hannover in der Celler Synagoge war das der Fall. Und das nicht nur, weil der gute Chor so Einzigartiges vollbracht hätte, sondern wegen eines Teils der an diesem Abend aufgeführten, noch nie gehörten Werke und wegen deren wunderbar stimmiger Präsentation.

Ganz wesentlichen Anteil daran hat der aus Budapest stammende, in Hannover wirkende jüdische Musiker Andor Izsak, der besagten Chor leitete und zudem noch das Konzert auf eine so unterhaltende wie informative Weise moderierte. Immer wieder blitzte da das auf, was man gemeinhin „jüdischen Humor“ nennt und was man sich bis heute bei uns nur selten als solchen auszusprechen getraut. Manchmal erinnerte das Auftreten Izsaks geradezu an George Tabori. Alleine das war schon den Besuch wert.

Das wichtigste waren aber selbstverständlich die musikalischen Beiträge des Abends, der in Teilen von Arte mitgeschnitten wurde. Vor allem die Stücke Louis Lewandowskis, Alfred Roses und des Schubert-Freundes Salomon Sulzer waren, abgesehen vom etwas langatmigen Schlussstück Lewandowskis, wahre Entdeckungen. Lewandowkis und Sulzers so ganz besondere Mischung aus hochromantischer Grundhaltung und religiöser Innerlichkeit, die zudem noch bereichert wird von orientalischem Melodiesinn und auch von Momenten geradezu opernhaften Charakters hat etwas Faszinierendes, weil so in sich Schillerndes, dass man wie gebannt zuhören muss. Die Überzeugungskraft dieser Musik lag aber nicht nur an den Stücken selbst, sondern auch an der Suggestivität und Qualität des Vortrages. Der mit elf Stimmen an diesem Abend schmal besetzte Chor verfügt über erstaunlich frische, weitgehend außerordentlich klangschöne Stimmen, die überaus sicher geführt wurden. Vor allem aber folgten diese elf Chorsänger ihrem Dirigenten bedingungslos, hingen ihm geradezu an den Händen. Und dieser agierte mit einer solch eigenen inneren Begeisterung, dass sich diese ganz auf die Sänger und letztlich eben auch auf die Zuhörer übertrug. Endlich einmal ein charismatischer Chorleiter! Das gibt es so selten.

„Also wirklich“, so beendete Izsak fast jede Moderation, wenn er zum Ende hin fast immer von der Ausdrucksstärke des nun folgenden Stückes schwärmte. Oftmals wirken solche Moderationen eher peinlich, hier musste man ihm fast immer „also wirklich“ recht geben. Es ist fast zu erwarten, dass dieser Chor nach seiner bis 1. Dezember gehenden Tournee viele Freunde für die von ihm gesungene, so weitgehend unbekannte Musik gewonnen haben wird. Und dann bleibt zu hoffen, dass man diesen Chor bald wieder in Celle wird hören können.

Von Reinald Hanke