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Celle Stadt Für mehr soziale Gerechtigkeit
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Für mehr soziale Gerechtigkeit
21:14 10.09.2017
Von Christoph Zimmer
Im Garten ihrer Eltern entspannt sich Bundestagskandidatin - Behiye Uca von den Linken am liebsten im Kreis ihrer - Familie – und bei Gebäck und schwarzem Tee. Quelle: Christoph Zimmer
Celle Stadt

Wer die Politikerin Behiye Uca besser verstehen möchte, muss einen Blick auf ihre Vergangenheit werfen. Geboren wurde die 42 Jahre alte Yezidin in der kurdischen Stadt Batman. Sie war zwei, als sie mit ihrer Familie nach Celle kam. Schön früh begann Uca sich für Menschen mit Migrationshintergrund zu engagieren. Bis heute arbeitet sie ehrenamtlich als Dolmetscherin für das Celler Frauenhaus und in der Sozialberatung, hilft bei Behördengängen und dem Ausfüllen von Formularen. „Ich möchte dazu beitragen, dass soziale Gerechtigkeit wieder einen größeren Stellenwert in der Gesellschaft bekommt. Die Schere zwischen Arm und Reich darf nicht weiter auseinandergehen“, sagt Uca.

In der Politik ist Behiye Uca noch nicht sehr lange, auch wenn sie sich für Fragen der Gerechtigkeit und Solidarität immer interessierte. Seit 2009 dreht sich bei ihr aber alles um acht Buchstaben: Die Linke. Bei der Kommunalwahl 2011 ist die Einzelhandelskauffrau in den Celler Kreistag, den Stadtrat und den Ortsrat Neuenhäusen gewählt worden. „Es ist wichtig, dass alle Bevölkerungsgruppen in den politischen Gremien vertreten sind“, sagt Uca. Wenn es nach ihr geht, soll das bald auch in Berlin der Fall sein. Auf dem fünften Platz der niedersächsischen Landesliste sind ihre Chancen, in den kommenden Bundestag einzuziehen, jedoch gering.

Das ändert nichts an ihrem politischen Engagement im Bundestagswahlkampf. Wer mit Behiye Uca spricht, duscht im Wortschwall. Man merkt schnell, dass sie ihr Herz auf der Zunge trägt. „Es sind die Gespräche mit den Menschen, die das ganze interessant und spannend machen und mir Mut geben“, sagt Uca.

Schon seit Jahren ist Behiye Uca in ihren Ehrenämtern mit schwierigen sozialen Situationen konfrontiert. Häufig seien aber nicht nur die komplizierten Behördenschreiben das Problem, sondern die Gesetze, die dahinter stehen. „Da kann nur Politik etwas ändern“, sagt sie.

In ihrer Familie war Politik schon immer Thema. Ihre 36 Jahre alte Schwester Feleknas Uca saß für Die Linke zehn Jahre im Europaparlament, ihr 33 Jahre alter Bruder Rezan Uca ist mit ihr in den Kreistag gewählt worden – für die FDP. „Natürlich haben wir verschiedene Standpunkte, aber das stört unser gutes Verhältnis nicht“, sagt Uca.

Welche weiteren Interessen hat sie? An dieser Stelle gerät das Gespräch das einzige Mal ins Stocken. Es bliebe im Moment nicht viel Zeit für anderes, sagt Behiye Uca. „Bis vor ein paar Monaten konnte ich ja noch sagen: Politik ist mein Hobby.“

Wenn die alleinerziehende Mutter in dem anstrengenden Wahlkampf abschaltet, fährt sie mit ihrem Sohn am liebsten Fahrrad oder entspannt im Garten ihrer Eltern bei der Familie. „Aber das kommt im Augenblick leider viel zu kurz.“