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Celle Stadt Fusion zwischen Celle und Hambühren: Mende verwundert über Herbst-Vorstoß
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Fusion zwischen Celle und Hambühren: Mende verwundert über Herbst-Vorstoß
19:03 21.01.2014
Von Gunther Meinrenken
Erdrückt das große Celle, das kleine Hambühren? Diese Befürchtung scheint in Teilen der Politik der Westkreisgemeinde umzugehen. Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

Der Traum von einer Fusion Celle-Hambühren droht zu platzen. Kaum dass die Idee von Celles Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (SPD) in den Raum gestellt wurde, soll nach der Vorstellung von Hambührens Bürgermeister Thomas Herbst eine Diskussion über das Thema im Kern erstickt werden. In einer ersten Reaktion bedauerte Mende gestern diesen Vorstoß von Herbst.

Hambührens Bürgermeister will im Gemeinderat von Hambühren am 30. Januar den Antrag stellen, dass sich die Politik mit dem Thema eines Zusammenschlusses mit der Stadt Celle nicht befassen solle. Nach Aussage von Mende hat sich Herbst vor einiger Zeit jedoch noch ganz anders geäußert. "Als ich in unserem ersten Telefonat vor ein paar Wochen eine Fusion ins Spiel gebracht habe, sagte er mir, dass er noch am Vortag bei einer Autofahrt nach Celle ähnliche Gedanken gehabt habe", erzählte Mende. Danach habe er Vertreter der Hambührener Politik zu einem ersten Gespräch ins Neue Rathaus eingeladen. Weitere Treffen habe es bisher nicht gegeben.

Das Abwürgen einer Auseinandersetzung mit den Vor- und Nachteilen zum jetzigen Zeitpunkt überrasche ihn, so Celles Oberbürgermeister. "Nicht einmal im Ansatz sind alle Möglichkeiten ausgelotet, die Vor- und Nachteile beschrieben oder mit dem Land erörtert worden. Trotzdem soll die Türe schon geschlossen werden", so Mende in einer Pressemitteilung.

Mende ist dabei klar, dass einige Punkte bei einer möglichen Fusion mit Hambühren geklärt werden müssten. "Die Form der politischen Beteiligung Hambührens in einer Stadt Celle oder auch die Aufteilung der zusätzlichen Mittel in Höhe von etwa 3,8 Millionen Euro sind Punkte, über die man reden muss. Aber normalerweise baut man hier erst eine Verhandlungsposition auf und erteilt dem Ganzen nicht gleich eine Absage", sagte er.

Celles Oberbürgermeister wunderte sich auch "über den Stil, mit dem Herr Herbst mich in dieser Angelegenheit via Medien informiert. Ich hätte erwartet, dass er mir in einem Telefonat oder in einem Brief seine Kehrtwende begründet", meinte Mende in Bezug darauf, dass Herbst sich über seinen Antrag in der Celleschen Zeitung geäußert hatte, ohne zuvor Mende davon in Kenntnis zu setzen. So wirke es doch nach einer vorzeitigen Aufgabe, nur weil zur Unzeit die Information über die Gespräche mit ihm in die Öffentlichkeit lanciert seien und damit Stimmung gemacht werden konnte, sagte Celles Oberbürgermeister.

Die Hoffnung, dass eine breite Mehrheit im Hambührener Gemeinderat dem Vorstoß von Herbst eine Absage erteilt, hat Mende allerdings nicht aufgegeben. Er hält den Vorschlag der Grünen, die Bevölkerung Hambührens im Mai mit einer Abstimmung über eine Fusion zu beteiligen, "für zielführender". Bis dahin könnten alle Fakten auf den Tisch gelegt und die Vor- und Nachteile transparent dargestellt werden, meint Mende.

Pro-Kommentar von Gunther Meinrenken:

Den Gedankenspielen über eine mögliche Fusion mit der Stadt Celle eine Absage zu erteilen, ohne die Fakten genau geprüft zu haben, wäre ein Fehler der Hambührener Politik. Denn vor allem die Vorteile wiegen schwer, auch für die Westkreisgemeinde.

3,8 Millionen Euro zusätzlich bekäme die neue Stadt Celle, darüber hinaus weitere Zuwendungen im zweistelligen Millionenbereich. Davon dürfte auch ein erheblicher Teil in den künftigen Ortsteil Hambühren fließen. Wie viel, müsste am Verhandlungstisch geklärt werden.

Für beide Seiten wäre dies ein wichtiger Schritt, langfristig die Finanzen auf eine solidere Basis zu stellen. Und das Geld kommt den Bürgern zugute, auch in Hambühren.

Hambühren ließe sich als Teil von Celle besser vermarkten – touristisch und wirtschaftlich. Und nicht zuletzt sind die Chancen größer, als Teil von Celle die Schullandschaft in dem Ort zu verbessern. Das möchte man in Hambühren selbst lösen, wie weit man damit gekommen ist, zeigt die beschlossene Schließung der Haupt- und Realschule.

Contra-Kommentar von Simon Ziegler:

Es stimmt: Sollte der Hambührener Rat eine Fusion ablehnen, wäre das verdammt schnell gegangen. Es gab nur ein einziges informelles Gespräch, ein behutsames Abwägen von Vor- und Nachteilen sieht anders aus.

Nur, auch in drei Monaten wird es keine neuen Argumente geben. Den Befürwortern einer Fusion ist bislang nicht viel mehr eingefallen, als dass mehr Geld vom Land kommen könnte. Doch wie viel bleibt davon wirklich in Hambühren hängen? Die Gemeinde mag zwar derzeit hohe Schulden haben. Doch so schlecht geht es Hambühren weiß Gott nicht, dass man sich vom großen Nachbarn schlucken lassen muss.

Um es klar zu sagen: Ob Grundschulen, Ärztehaus oder Vereinsförderung, eine Fusion würde bedeuten, dass der Celler Stadtrat künftig alle Hambührener Belange regelt. Für die Identität der Gemeinde kann das nicht gut sein.

Und weil die Argumente gegen eine Fusion sprechen, hat bislang nicht ein einziger Politiker aus Hambühren erklärt, dass die Fusion richtig ist. Die Gemeinde tut gut daran, ihre Geschicke weiter selbst zu lenken.