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Celle Stadt Galerie am Kleinen Plan zeigt neue Ausstellung
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Galerie am Kleinen Plan zeigt neue Ausstellung
12:10 31.07.2017
Dieter Glasmacher vor einem seiner Kunstwerke der Ausstellung„Farbwasser“ in der Galerie am Kleinen Plan. Quelle: David Borghoff
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Bei dieser Erkundungstour tritt Schicht für Schicht Hintergründigeres ans Licht und die primär scheinbar naive Formgebung und Farbigkeit sich in etwas weit Substantielleres verwandelt. Grasmachers Aquarelle erzählen Geschichten, spielen bewusst mit Assoziationen und verlocken den Betrachter so zu versuchten Deutungen, die nie ganz aufgelöst werden und deshalb umso spannender sind.

Die in Celle unter dem Titel „Farbwasser“ präsentierten Bilder sind – gemessen an den großen, collagenartig zusammengesetzten, bekannten Werken des Maler – kleinformatig, häufig entstanden als Skizzen, künstlerische „Notizzettel“ quasi, Tagebuch-Malerei auf Reisen (bevorzugt Afrika), in denen spontane Eindrücke und Ideen festgehalten und in einer Urform festgehalten wurden. Figürliches und Verbales bilden in gezielt eingesetzter farblicher und formgebender Konzeption eine künstlerische Momentaufnahme.

Viele dieser Vorstudien, Skizzen und „Notizen“ finden eine „Neuaufnahme“ in den großen, weiterkonzeptionierten Werken Glasmachers. Trotzdem stehen diese Aquarelle für sich, mit der gleichen bedeutungsvollen Aussagekraft und mit ernsthaftem künstlerischem Anspruch – vielleicht sogar noch authentischer.

Der Ernsthaftigkeit wird der Betrachter erst auf den zweiten, längeren Blick gewahr. Was im ersten Moment als beinahe kindliche, farbenfrohe, ausgelassene Experimentierfreudigkeit scheint, wird schnell zu einer Herausforderung, Schriften und Figuren zu etwas zusammenzusetzen, das nicht nur plakativ bleibt. Das Spielerische bleibt, wird skurril, sarkastisch, ja grotesk – leitet, verführt, und lässt Raum für eigene Interpretation: Ein Puzzle, Stückwerk, eine Collage – nicht nur, was das Sichtbare und Verbale betrifft, sondern ebenso stark das Gedachte, Erahnte. Dort, mit dem Gefühlten, Emotionalen, lösen sich Worte, Bedeutung und Figuren zu rein künstlerischen Strukturen und Kompositionen auf, bilden eine Symbiose zwischen Abgebildetem und kreativer Kunst.

„Die Geschichten, die ich wiedergebe, sind wie die nacherzählten Sequenzen eines beeindruckenden Films. Man erzählt sprunghaft, aus einer persönlichen Sicht, das, was einen besonders begeistert, betroffen gemacht, mit- und eingenommen hat“, sagt Grasmacher. „Es geht durcheinander, man nähert sich, blendet aus – und schafft daraus etwas Eigenes, Neues. Als Maler setzt man dies in seine eigene Formensprache um – und das hat tatsächlich nichts mit naiver Kritzelei zu tun.“

Glasmacher studierte von 1963 bis 1968 an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg bei Hans Thiemann und Klaus Bendixen. Seine Arbeiten wurden mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht. 1980 bis 1995 war er Professor an der Fachhochschule für Grafik-Design in Düsseldorf, 1995 bis 2003 an der Hochschule für angewandte Wissenschaften im Fachbereich Gestaltung in Hamburg.

Von Doris Hennies