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Celle Stadt Gambenduo „AnimaMente“ spielt feinste emotionale Farbtöne
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Gambenduo „AnimaMente“ spielt feinste emotionale Farbtöne
13:10 21.07.2014
Das Gambenduo „AnimaMente“ - mit Margarete Thyssen (links) - und Laura Macor beim Stimmen - der Instrumente. Quelle: Alex Sorokin
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In diese stimmungsvollen Klangwelten entführte am Sonnabend in der Blumläger Kirche das Gambenduo „AnimaMente“ unter anderem mit „Trattado de Glosas“ von Diego Ortiz (1510-1570), mit der Suite „La Nymphe di Rheno“ von Johan Schenck (1660-1712) und mit zwei Sätzen aus der d-Moll-Sonate von Christoph Schaffrath (1709-1763). Die Bremer Gambistin Margarete Thyssen (Schülerin unter anderem von Hille Perl) und ihre italienische Duo-Partnerin Laura Macor präsentierten dabei eine ganz besondere Mischung aus Feingeistigem, verführerisch Sinnlichem und berückender Ausdrucksintensität:

Aus scheinbar beiläufig notierter Gebrauchsmusik wurde richtig große Musik. Maßgeblich dafür war vor allem das beeindruckende Wechselspiel und Ineinandergreifen von Mehrstimmigkeit und homophonen Flächen, von ruhender Ausgeglichenheit und instrumentalen Effekten, etwa bei Ortiz’ Improvisationen, die mit großem Respekt, aber nicht in nostalgischer Versenkung dargeboten wurden. Im Gegenteil: Die klanglichen und dynamischen Bewegungskontraste waren von beeindruckender Frische und gestalterischer Eleganz durchzogen. Und auch Schaffraths „Allegro“ ließ buchstäblich aufhorchen. Der Satz lebte nicht zuletzt von den fließenden Übergängen zwischen konservativem Kontrapunkt und galantem Umgang mit der in feinsten emotionalen Farbtönen erblühenden Melodie. Bisweilen gesellte sich dabei zur pulsierenden Lebendigkeit auch noch der Eindruck des Spontanen, ohne den sorgsam konstruierten Stücken dadurch ihre innere Ruhe zu nehmen. Der ausgesprochen entspannende und beruhigende Gamben-Klang jedenfalls verfehlte seine Wirkung nicht: Die Aufmerksamkeit richtete sich so sehr nach innen, dass auch die anfangs noch nach jedem Stück vereinzelt applaudierenden Zuhörer bald spürten, wie ihr gut gemeinter Beifall die Intimität störte. Umso herzhafter erhob sich am Ende der Schlussapplaus.

Von Rolf-Dieter Diehl