Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Ganz ohne Langeweile: Die Natur als Lehrer
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Ganz ohne Langeweile: Die Natur als Lehrer
20:20 25.09.2013
Die Natur als Lehrer: Da gab es viele spannende Entdeckungen zu machen. Quelle: Lothar H. Bluhm
Celle Stadt

Fritz, Torge und Ole haben schon der Schweiß auf der Stirn: Bambusstämme zu sägen ist echt harte Arbeit, stellen die drei Schüler gemeinsam mit ihren Klassenkameraden im Werkraum der Schule fest. Aber die Aufgabe ist reizvoll, denn sie wollen auf Anregung der Garten- und Landschaftsarchitektin Ute Rodenwaldt-Blank ein großes Schachspiel aus Bambusstämmen für den Außenbereich herstellen. Zwei Könige, zwei Damen, vier Läufer, vier Springer und vier Türme sowie 16 Bauern müssen gesägt und bearbeitet werden. „Bambus bietet sich an“, sagt die Fachfrau, denn die Pflanze stehe für Standfestigkeit und Freundschaft und drückt Langlebigkeit aus.

Da entsteht Freude, als gesagt wird, dass nun die 16 Bauern zurechtgesägt werden können. Emsig sind die Schüller dabei, gemeinsam die dicken Bambusstämme in gleich große Figuren zu teilen.

Projekttag haben alle Partner unterstützt

„Das war eine unglaubliche Bereitschaft“, so Projekt-Koordinatorin Margot Gall-Beermann. Ob es die Naturkontaktstation in Wathlingen war, die Schubotz-Mühle in Westercelle oder das Tierheim – immer waren die Verantwortlichen sofort bereit, sich aktiv an dem Projekttag für die 520 Gymnasiasten zu beteiligen. „Für den Tag konnten wir viele unterschiedliche Projekte mit einer großen inhaltlichen und methodischen Bandbreite realisieren“, sagt Gall-Beermann.

Es war das erste Mal, dass sämtliche Schüler, die nicht in der Oberstufe unterrichtet werden, gemeinsam einen Projekttag erlebten. Gall-Beermann: „Die Oberstufe hatte an diesem Tag einen Studientag, während die Einteilung der Projektgruppen auf Basis der bestehenden Klassen erfolgte.“ So beschäftigten sich die fünften Klassen mit Wölfen, Bäumen, Musikinstrumenten, Tieren und einem naturkundlichen Lehrpfad, während die sechsten Klassen ein Langobardendorf in Kalbe (Sachsen-Anhalt) und einen Obsthof in Lachendorf besuchten. Beim Ausnehmen der Forellen an den Aschauteichen ging ein Schüler zu Boden. Vielleicht fehlte die richtige Ernährungsgrundlage für diese Arbeit, die ans Eingemachte geht. „Das war ein tolles Projekt, am besten war das Räuchern und Essen des Fisches“, sagt Sabrina (14). „Außerdem war es interessant, mal eine Räucherei und Schlachterei zu sehen, wo vieles noch von Hand gemacht wird“, findet der 15-jährige Justin.

Wir konnten viele coole Sachen ausprobieren

„Der Wolfsvortrag war überraschend spannend und interessant gestaltet“, findet Fabian (15), während Leonie feststellt: „Ich fand den Projekttag super! Wir konnten viele coole Sachen ausprobieren, wie Bogenschießen, Töpfern und Armbänder machen.“ Es sei auch witzig gewesen, dass man so viel zusammen mit den Freunden machen konnte. Das Langobardendorf hat ohnehin besondere Begeisterung bewirkt. „Nach Rückkehr der Busse lief mir ein Schüler entgegen und brüllte: ‚Frau Gall-Beermann, sehen Sie mal, ich habe einen Langobardenknochen gefunden‘“, berichtet die Lehrerin. Hintergrund dafür ist, dass es dort ein präpariertes Feld gibt, auf dem die Schüler „Grabungen“ vornehmen können. „Auch zeigten mir viele Schüler selbst hergestellten Kupferschmuck und gewebte Freundschaftsbändchen.“

Die Mädchen fanden die Textilarbeiten toll, insbesondere das Filzen. Den Jungen gefiel mehr das Bogenschießen. Die selbst produzierte Langobardensuppe schmeckte aber wohl allen sehr gut. „Wir konnten schnitzen, Ledertaschen nähen, Mehl mahlen und Kupferanhänger bauen. Am besten fand ich aber die Suppe mit dem Brot, die war prima.“ Der 11-jährigen Emma gefiel am Projekttag im Langobardendorf am besten, dass so viele verschiedene Sachen aus dem germanischen Leben ausprobiert werden konnten.

Ziel des Europäischen Comenius-Projektes „Make European Nature your Teacher“ ist es, Schülern die Natur durch Aufzeigen von Möglichkeiten ihrer Nutzung näher zu bringen – ob für die Freizeitgestaltung im Freien oder auch, um in und von ihr zu Lernen. „Es geht auch um das Kennenlernen verschiedener Organisationen und um Themen im weiteren Bereich Natur, die möglicherweise auch von der Comenius-AG aufgegriffen werden können.“ So könnten die verschiedenen Lerngruppen Kontakte knüpfen und Ideen bekommen, die dann in der Comenius-AG vertieft und aufgegriffen werden können.

Die Arbeitsgemeinschaft könne so von den Erfahrungen der unterschiedlichen Klassen profitieren und einen größeren Teil der Schulgemeinschaft in das Projekt mit einbeziehen. „Durch Veröffentlichung von Berichten zum Projekttag im Jahrbuch wird die Präsenz des Themas ‚Natur‘ und wie wir von und mit der Natur lernen können weiter erhöht – über die reine Schülerschaft hinaus“, erläutert Gall-Beermann.

Im Französischen Garten in Celle erfuhren die Schüler von einem städtischen Baumfachmann, wie es um Baumkrankheiten steht, woran Zuwachsstreifen zu erkennen sind, welche Funktionen Wurzelanläufer, Stamm, Blätter und Borke haben und wie ein gesunder Baum aussieht: „Wenn der Stamm schön gerade ist, ist alles in Ordnung.“

Instrumenteselbst gebaut

Der Weg des Obstes vom Baum bis in den Kuchen und Vergleiche in der Gemüseabteilung eines Lebensmittelmarktes wurde in Lachendorf nachvollzogen. „Da haben uns die Landfrauen kräftig unterstützt“, so Gall-Beermann.

Beim Projekt „Aus Naturmaterialien Instrumente bauen“ waren Kraft, Geschicklichkeit und Geduld erforderlich, bevor die von den Schülern der Klasse 5c gefertigten Panflöten und Cajons ausprobiert werden konnten.

Unkonventionelles machte Tag interessant

„Die Themen waren durchaus unkonventionell. Das hat den Projekttag besonders interessant gemacht, weil einem nicht nur Dinge erzählt wurden, die man sowieso schon wusste oder die immer gleichen Themen zum Tausendsten Mal durchgekaut wurden“, urteilt Ruth (15). Rundum gelungen also.

Von Lothar H. Bluhm