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Celle Stadt Gas geben und bremsen zugleich
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Gas geben und bremsen zugleich
09:00 23.12.2011
Von Michael Ende
Allerinsel 22.12.2011 Quelle: Peter M¸ller
Celle Stadt

CELLE. Gas geben und bremsen zugleich wollen auf der Allerinsel die Fraktionen von CDU, FDP, WG und Unabhängigen im Celler Stadtrat. Die vier Gruppierungen haben jetzt einen gemeinsamen Antrag präsentiert, dessen Wortlaut harmlos klingt, der aber verborgenen Sprengstoff transportieren könnte.

Das auf zehn bis 15 Jahre terminierte „Zukunftsvorhaben Allerinsel“ solle „zügig realisiert“ werden, heißt es im Antrag. Das beziehe sich jedoch nur auf den ersten Bauabschnitt, der südlich der Hafenstraße Wohnbebauung vorsieht und das angedachte „Haus der Vereine“. Jetzt kommt der Teil, der anderen Fraktionen Sorge bereitet: „Über den Fortgang der weiteren Planung für die Bauabschnitte 2 und 3 des Rahmenplans wird entsprechend den strukturellen und finanziellen Entwicklungen der Stadt gesondert zu entscheiden sein. Dies insbesondere mit dem Ziel, die Errichtung attraktiven Wohnraums in der Altstadt nicht zu gefährden.“

SPD-Fraktionschef Joachim Rentsch ist nicht der einzige, der sich bei derlei Formulierungen an den ehemaligen CDU-Ratsherrn Wulf Haack, der ein ums andere mal versucht hatte, die Allerinsel-Planungen zu torpedieren, erinnert fühlt: „Herr Haack wollte das ganze Projekt abschießen – aber dieser Schuss ging damals zum Glück nach hinten los.“ Haack wurde aus der CDU geworfen, verlor alle Rats-Posten, gründete die seinerzeit auch „Haack-Partei“ genannten „Unabhängigen“ und wurde im September vom Wähler in den Ruhestand verabschiedet. Könnte der umtriebige Strippenzieher Haack jetzt noch seine Finger im Spiel haben? Rentsch lächelt: „Unmöglich ist nichts.“

CDU-Fraktionsvorsitzender Heiko Gevers sagt, dass der Antrag aus seiner Feder stamme. Selbstverständlich wolle man nach wie vor die Allerinsel entwickeln : „Aber diese Entwicklung muss durchdacht sein.“ So gelte es etwa zu bedenken, dass im nächsten Jahr 350 derzeit noch von Briten bewohnte Wohnungen frei würden und außerdem in die in der City erwünschte neue Wohnbebauung nicht ins Hintertreffen geraten solle: „Deshalb ist die Frage, inwiefern wir als Stadt Wohnbebauung auf der ganzen Allerinsel forcieren sollen – wenn das ein Investor tun möchte, ist das seine Sache. Das ginge.“

„Wir haben der ungebremsten Beplanung der Allerinsel nicht zugestimmt, weil wir keine ungebremste Verschuldung der Stadt wollen“, so FDP-Fraktionsvorsitzender Joachim Falkenhagen. Der Antrag solle erreichen, dass der Rat einen neuen Beschluss fassen muss, wenn es um die Bebauung der Flächen nördlich der Hafenstraße gehe: „Wir haben am Beispiel der Kostenentwicklung bei Verlagerung der Minigolf-Anlage auf die Herrenwiese gesehen, wohin es führt, wenn Verwaltung plant, ohne dass der Rat sich mit dem Thema befasst.“

Der Antrag bedeute nicht, dass auf der Allerinsel kein Neubauwohnraum entstehen solle, unterstreicht WG-Fraktionsspitze Torsten Schoeps: „Ganz im Gegenteil, der gesamte Bereich südlich der Hafenstraße kann hierzu – nach Aufhübschung des Hafenbecken inklusive Neubau des Hauses der Vereine – mit attraktivem Wohnbau am Wasser ausgefüllt werden. Andererseits kann auf der nördlichen Seite der Hafenstraße der Schützenplatz so erhalten bleiben wie er ist – mit kostenlosem Parkraum für alle die in der Innenstadt Geld verdienen müssen oder dort als Kunden Geld ausgeben wollen. Der Neubau eines unsinnigen und dazu teuren Parkhauses wird somit obsolet.“

Das Wohnen „nicht an, sondern in der Altstadt“ solle wieder in den Fokus der Überlegungen rücken, erläutert Unabhängigen-Fraktionsvorsitzender Udo Hörstmann. Was er dann sagt, sind teilweise Haack-Zitate: „Als überlebenswichtig für unsere Altstadt und als strukturell bedeutsamer Beitrag für die Altstadt sind die kostenfreien Parkplätze auf dem Schützenplatz anzusehen. Mit dem Erhalt des Schützenplatzes und der Theo-Wilkens-Halle werden darüber hinaus erhebliche Einsparungen verbunden sein. Wenn man sich die finanziellen Auswirkungen der Verlagerung der Minigolfanlage vom Saarfeld zur Herrenwiese vor Augen hält, dann kann man schon erahnen, was eine neue Schießanlage und ein neuer Schützenplatz kosten würde.“

Rentsch mag kaum glauben, dass sich die Ratsmehrheit vom Gesamtprojekt Allerinsel verabschieden möchte: „Wir haben den Rahmenplan mit breitem Konsens verabschiedet. Diesen Rahmenplan kann man nicht einfach so über den Haufen werfen. Wer das tut, riskiert die uns schon zugesagte Städtebauförderung. Ohne die könnten wir gar nichts machen.“