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Celle Stadt Gedankenaustauch zu Kirchenchorarbeit in Celle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Gedankenaustauch zu Kirchenchorarbeit in Celle
16:50 06.03.2015
Gedankenaustausch über die Chorarbeit. Mit CZ-Mitarbeiter - Reinald Hanke (2. von rechts) diskutierten (von links) Klaus-Herman Anschütz, Dorothee Sakautzky, Almut Höner zu Guntenhausen und Hans-Jürgen Doormann. Quelle: Alex Sorokin
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Die Einigkeit über alle Interessenlagen hinweg hinterließ den Eindruck, dass die Chorleiter an einem Strang ziehen. Alle wollen mit Musik Menschen in ihrem Gemüt bewegen. Natürlich brach durch, dass sich die katholische Kirche in einer evangelisch geprägten Stadt benachteiligt fühlt.

Nichtsdestotrotz ist es gerade der katholische Vertreter Anschütz, der Visionen für zukünftiges Chorleben entwickelt. Während in seinem Dekanat die Chorarbeit mangels Interesse herunter gefahren wurde, ist Anschütz überörtlich in erfolgreichen Projekten aktiv, die einen Teil dieser Vision schon Realität werden lassen. „Wir müssen neue Formen der Chorarbeit finden, in denen wir den Gegebenheiten Rechnung tragen. Wenn uns das gelingt, können wir zwar nicht traditionelle Kirchenchöre ersetzen, aber etwas anderes Musikalisches an diese Stelle setzen, was wir im lokalen und überörtlichen Rahmen auch tun.“

Die anderen Chorleiter sind da eher mit der Bewältigung des Choralltags beschäftigt. Sie müssen sich nicht mit der Situation von sich auflösenden Chorstrukturen beschäftigen. Sondern sie müssen ihre Sänger immer wieder motivieren in einem Umfeld, das den Menschen immer mehr Freizeitangebote bietet. „Immer weniger Menschen wollen sich so langfristig festlegen, dass sie zu den großen Festtagen für gottesdienstliche Chormusik zur Verfügung stehen,“ so formulieren es die drei evangelischen Chorleiter einvernehmlich. „Wir haben ja nicht nur die Aufgabe, gute Musik zu machen, sondern auch eine soziale Funktion. Und ein Teil ist erreicht, wenn die Menschen sich nach der Chorprobe besser fühlen als vorher“, sagt Almut Höner. Doormann ergänzt, dass Chorarbeit eine generationenübergreifende Sache sei. „Es war mir immer wichtig, Jugendliche zu integrieren. Das ist am besten gelungen, wenn wir die großen Werke von Bach aufgeführt haben. Man kann auch heute noch die junge Generation erreichen. Das hängt ganz stark davon ab, wie sehr man selbst von dieser Musik begeistert ist. “

„Und damit sind wir bei einem ganz wichtigen Punkt von Chorarbeit: Man muss immer authentisch bleiben. Nur dann erreicht man die Menschen“, ergänzt Höner. Sakautzky stimmt dem zu: „In Wietze muss ich den Spagat wagen, einerseits die älteren Sänger mit traditionellem Repertoire bei der Stange zu halten. Andererseits aber denjenigen Spaß zu vermitteln, die was Poppiges oder Jazziges singen wollen.“ Wenn man mit einem Chor körper- und rhythmusbetonte Musik gemacht habe, merke man schnell, dass sich das Singen traditioneller Musik verändere. „Und zwar zum Besseren.“

Die Situation der Kirchenchöre ist alles andere als einfach. Für Jugendchorarbeit ist die Ganztagsschule ein Problem. Andererseits: Man ist sich einig, dass eine Chance darin besteht, die Zusammenarbeit mit Schulen zu forcieren. Es fiel auf, dass sich zwar alle bessere Voraussetzungen wünschen, aber dass alle optimistisch sind, mit ihrer Begeisterung Chorsänger rekrutieren zu können. Hier glaubt jeder an die menschenverbindende Kraft der Musik.

Von Reinald Hanke