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Celle Stadt Gedenken an "unbedachte" Celler Tote
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Gedenken an "unbedachte" Celler Tote
19:36 18.11.2014
Von Michael Ende
Celle Stadt

Der Celler Arbeitskreis „Unbedacht verstorben“ betrachtet den spürbaren Rückgang der Begräbnis- und Trauerkultur in der Gesellschaft mit Sorge – und möchte mit der öffentlichen Gedenkstunde am Freitag vor dem Totensonntag auch das Thema Trauerkultur auf der öffentlichen Tagesordnung halten.

Tatsächlich sind die Gründe für schleichende „Verdunstung“ der Begräbnis- und Trauerkultur, wie Pastor Uwe Schmidt-Seffers es ausdrückt, sehr vielschichtig. Manchmal seien es die Verstorbenen oder deren Angehörige selbst, die keine Trauerfeier wünschen und eine anonyme Bestattung verfügen. Daneben gibt es aber auch Menschen, die keine Angehörigen mehr haben, die für eine würdevolle Beisetzung verantwortlich sind. Und wenn die Verstorbenen zeitlebens keine Vorsorge für den Fall ihres Todes getroffen haben oder es finanziell nicht vermochten, bleibt als letzte Instanz das Ordnungsamt verantwortlich für die Bestattung. In der Regel dann ohne Trauerfeier, obwohl diese Menschen durchaus soziale oder nachbarschaftliche Kontakte hatten. Und drittens, so Schmidt-Seffers, sei spürbar, dass immer mehr Menschen hilflos sind, weil sie den Kontakt zu lebendigen und vormals allgemein gültigen Trauerritualen verloren haben.

In Zeiten zunehmender religiöser und konfessioneller Bindungslosigkeit verflüchtigt sich die öffentliche Trauerkultur mehr und mehr. Mit Sorge sehen die Mitglieder des Arbeitskreises auch die Zunahme der „privaten“ Trauerfeiern, die die Öffentlichkeit über den familiären Rahmen hinaus ausschließen und damit anderen Menschen, Nachbarn, alten Bekannten und Freunden die Möglichkeit des Abschieds nehmen. Schmidt-Seffers: „Diese Entwicklung ist umso betrüblicher, weil man sich damit selbst um den Trost bringt, der in der Anteilnahme anderer Menschen verborgen ist.“ So möchte der Arbeitskreis „Unbedacht verstorben“ mit der Gedenkfeier auf dem Stadtfriedhof einen Raum schaffen, in dem Menschen ganz persönlich noch einmal an die Menschen denken, deren Tod sie betrauern.

Im vergangenen Jahr wurde zwölf Frauen und Männern gedacht, die unbedacht bestattet wurden, in diesem Jahr sind es nach Kenntnis des Arbeitskreises lediglich zwei Personen. Schmidt-Seffers: „Wenn diese Entwicklung darauf zurückzuführen ist, dass es eine erhöhte Sensibilität für dieses Thema gibt, dann freuen wir uns sehr darüber. Auch weiß ich von vielen Kollegen in der Pastorenschaft, dass sie nach Kräften in enger Absprache mit den Bestattern dafür sorgen, dass bei Bestattungen ohne familiäre oder andere Begleitung wenigsten ein Gebet gesprochen wird – und niemand würdelos und 'sang- und klanglos' einfach verschwindet.

Die Gedenkfeier findet am Freitag, 21. November, um 16 Uhr in der Kapelle des Stadtfriedhofs statt. Landessuperintendent Dieter Rathing aus Lüneburg wird eine Ansprache halten. Im Anschluss an die Gedenkfeier folgt im Café des Stadtfriedhofs eine Gesprächsrunde über den gegenwärtigen Umgang mit Sterben und Tod in unserer Gesellschaft. Eingeladen sind der Celler Mediziner Manfred Lux, Vorstandsmitglied des Onkologischen Forums Celle, die Soziologin Doris Riemann aus Winsen, der Bestatter Peter Katanic aus Wathlingen sowie Landessuperintendent Rathing. Die Moderatorin der Runde, Sigrid Maier-Knapp-Herbst, wird mit den Gästen erörtern, wie diese aus ihren Perspektiven den Umgang mit Sterben und Tod in unserer modernen Gesellschaft beurteilen, aber auch welche positiven Erfahrungen und Denkanstöße sie weitergeben möchten.