Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Gefährliches Glatteis im Celler Land
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Gefährliches Glatteis im Celler Land
19:44 08.02.2010
Spaß auf Kufen: Marijke Eggers und Sohn Adrian nutzen eine vereiste Spielstraße in Offen zum Schlittschuhlaufen und Schlittenfahren. Quelle: Fremdfotos / Texte Eingesandt
Celle Stadt

Dicke Eispanzer auf den Wegen und Fahrbahnen im Celler Land haben in den vergangenen Tagen viele Menschen ins Rutschen gebracht. Marijke Eggers aus Offen hat sich hingegen die Schlittschuhe angezogen und gemeinsam mit Sohn Adrian die vereiste Straße vor ihrer Haustür als Eisbahn genutzt. Jedoch nicht alle Celler können Eis und Schnee etwas Positives abgewinnen.

Nebenstraßen in Celle werden nicht gestreut: Beschwerden erhielt die CZ über vereiste Flächen vor Parkautomaten an der Stechbahn. Myriam Meißner, Pressesprecherin der Stadt Celle, erklärte auf Anfrage, dass die Handkolonnen angewiesen seien, derartige Stellen in der Stadt zu räumen und zu streuen. Sie wies aber ebenfalls darauf hin, dass vereiste Flächen vor den Automaten nicht vom Kauf eines Tickets entbinden würden.

Nach Angaben von Meißnerwerden die Nebenstraßen der Residenzstadt vorerst nicht gestreut: „Wir haben kaum noch Salz – und das, was wir noch haben, bewahren wir für Notfälle auf.“ Damit spielte Meißner auf das Wetter in dieser Woche an: Ab Mittwoch soll es wieder schneien. Auch Sand ginge der Stadt mittlerweile 200 Tonnen seien im Stadtgebiet bereits gestreut worden – das entspräche rund 4000 Schubkarren.

Haftung bei Stürzen: Jeder Eigentümer ist dazu verpflichtet, einen zwei Meter breiten Streifen entlang der Grundstücksgrenze zu räumen oder zu streuen. Kommt er dieser Pflicht nicht nach, hafte er privat, falls jemand dort zu Fall käme, erläuterte Meißner.

Stürzt ein Passant dort, wo die Stadt die Räumpflicht hat, hafte sie dementsprechend dafür, so die Pressesprecherin weiter. „Ansprüche können dann an das Rechtsamt gerichtet werden.“ Generell sei es aber bei diesem Wetter notwendig, sich an die Bedingungen anzupassen. Damit es überhaupt nicht zu Stürzen komme, riet die Pressesprecherin, das Eis mit Granulat, Split oder Sand abzustumpfen. „Salz bringt auf den dicken Eisplatten mittlerweile nichts mehr“, so Meißner.

Stürze auf Schulwegen: Nach Angaben von Ernst-Dieter Brammer, Abteilungsleiter für Kreisstraßen beim Landkreis Celle, sind die von den Schülern genutzten Radwege im Kreis soweit befahrbar. Auch Meißner betonte, dass die Buslinien und gefährliche Bereiche in Celle gestreut werden. „Stürzt ein Kind trotzdem, leiten wir die Ansprüche an den Gemeinde-Unfallversicherungsverband weiter“, so Brammer. Sachbearbeiter Sebastian Nath bestätigte, dass seine Organisation der zuständige Kostenträger ist. „Wir kommen für ärztlichen Behandlungskosten auf“, so Nath. Die Regressabteilung prüfe aber, ob ein Grundstückseigentümer seiner Räumpflicht nicht nachgekommen sei. Eventuelle Forderungen würden dann an diesen weitergeleitet werden.

Radfahrer dürfen Fahrbahn nutzen: Kann der Radweg nicht genutzt werden, haben Fahrradfahrer die Möglichkeit, auf der Straße zu fahren. Fußwege dürfen laut Christian Riebandt, Pressesprecher der Polizei Celle, generell nie benutzt werden. Ausnahme: Der Weg ist ein geteilter Fuß- und Radweg.

Eine Schlittschuhfahrt, wie die von Marijke Eggers auf vereister Fahrbahn, sei dann erlaubt, wenn es sich wie in Offen um einen verkehrsberuhigten Bereich handele. Auf Fußwegen oder Straßen ist es laut Riebandt hingegen verboten.

Hochbetrieb im AKH: In der Unfallchirurgie des Allgemeinen Krankenhauses Celle (AKH) mussten zwischen Donnerstag und dem gestrigen Tag 60 Patienten mit Brüchen stationär aufgenommen werden. „Das ist unheimlich viel“, betont Prof. Hans-Jörg Oestern, Chefarzt der Unfallchirurgie. „Wir sind vollkommen überfüllt und musste Patienten bereits an andere Stationen abgeben.“ Am gestrigen Tag sei in vier Sälen durchgehend operiert worden. Besonders häufig seien unter anderem Handgelenksbrüche und Schenkelhalsbrüche. „Die Menschen stürzen, weil sie vergessen, wie glatt es ist“, erklärt der Arzt weiter. „Sie müssen sich der Gefahr bewusst werden.“ Gerade der Weg am Morgen zum Auto könne zur gefährlichen Rutschpartie ausarten.

Von Christian Uthoff