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Celle Stadt Geflügelte Worte bauen Brücken: Syrer sammelt Redewendungen in Celle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Geflügelte Worte bauen Brücken: Syrer sammelt Redewendungen in Celle
19:44 28.12.2017
Von Christian Link
Quelle: Christian Link
Celle Stadt

Abdulsalam Alhamad war 16 Jahre alt, als der syrische Bürgerkrieg seine Heimatstadt Deir ez-Zor erreichte. Bei dem sogenannten Ramadan-Massaker 2011 wurden sein Onkel und einige seiner Freunde getötet. Ab 2013 kontrollierte dann die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) die Wüstenstadt im Osten Syriens, die erst vor wenigen Wochen von Regierungstruppen befreit wurde. "Meine Leute leiden immer noch und ich habe viele Jahre verloren wegen des Kriegs", sagt Alhamad. Ganz vergessen kann er die traumatischen Ereignisse nicht: "Wenn ich Flugzeuge am Himmel sehe, zucke ich immer noch zusammen."

Zusammen mit seinem drei Jahre älteren Bruder Mohammad kam der heute 22-Jährige 2015 nach Deutschland. Seine Eltern blieben in Syrien, wo sie in Richtung der türkischen Grenze flüchteten. Die beiden Brüder teilten sich zunächst eine Ein-Zimmer-Wohnung in Wathlingen, mittlerweile wohnt Abdulsalam Alhamad in Celle. Im Januar hat er die Prüfung für seine Goethe-Zertifikat B2, die er problemlos bestehen dürfte.

Alhamad träumt von einer Karriere beim Film oder beim Fernsehen, wo er gerne hinter der Kamera arbeiten würde. "Sobald ich kann, möchte ich mir eine richtige Kamera kaufen, um Fotos und Videos zu machen", sagt er. Dass er Talent dafür hat, zeigt er auf seinem Instagram-Konto, wo er regelmäßig Handy-Fotos aus Celle postet, die einen ungewöhnlichen Blickwinkel auf die Stadt zeigen. Einige Tricks hat er sich schon bei anderen Fotografen abgeschaut, das reicht ihm aber nicht: "Ich würde das gerne richtig lernen."

Berührungsängste mit den Einheimischen hat der Syrer nicht – im Gegenteil. Um die deutsche Sprache zu lernen, geht der 22-Jährige in der Innenstadt auf Tuchfühlung mit den Cellern und sammelt Sprichworte. "Ich frage die Menschen auf der Straße, um zu lernen und um in Kontakt zu kommen", sagt er. Mehr als 150 Redewendungen hat Alhamad schon in seinem Handy eingespeichert. "Einige Sprichwörter habe ich noch nicht verstanden, weil die Leute keine Zeit hatten, mir sie zu erklären", berichtet Alhamad. Der Satz "Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste" etwa habe ihn lange rätseln lassen.

Wenn Alhamad mindestens 500 Redewendungen und die dazugehörigen Erklärungen zusammen hat, will er aus seiner Sammlung ein kleines Buch machen und dieses auch veröffentlichen. Denn eines hat der Syrer bei seinen vielen Gesprächen gemerkt: "Es gibt viele Leute, die kennen zwar die Sprichwörter, wissen aber nicht, was sie eigentlich bedeuten."