Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Gefühlvoller Ritt auf Wellen der Seele
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Gefühlvoller Ritt auf Wellen der Seele
15:17 24.02.2010
Die jiddische Sängerin Valeriya Shishkova mit ihren musikalischen Begleitern Gennadiy Nepomnjashiy (Klarinette) und Sergey Trembitskiy (E-Piano) bei ihrem Konzert in der Celler Synagoge. Quelle: Rolf-Dieter Diehl
Celle Stadt

Ein beeindruckendes Konzert erlebten die Zuhörer in der Celler Synagoge, als die Komponistin und Sängerin Valeriya Shishkova mit Liedern aus ihrem Programm „Ajn tail vun dir – ajn tail vun mir“ gefühlvoll auf den Wellen der menschlichen Seele surfte. Die gebürtige Moskauerin lebt seit zehn Jahren in Dresden und singt sowohl traditionelle jiddische Lieder als auch eigene Kompositionen nach Texten klassischer und moderner jiddischer Dichter wie Lev Berinsky und Michoel Felsenbaum.

Bei ihrem Gastspiel in Celle wurde sie begleitet von Gennadiy Nepomnjashiy (Klarinette) und Sergey Trembitskiy (E-Piano und Querflöte), die die jeweilige Stimmung der Liedvorträge wirkungsvoll untermalten: Temperamentvolle Tanzlieder machten Platz für melancholische Intermezzi, um im nächsten Moment wieder mit überschäumenden Melodienfolgen pulsierende Bilder leidenschaftlich-romantischer Seelenlandschaften zu malen, in denen Liebesglück und Liebesleid so häufig Tür an Tür wohnen.

Shishkovas Lieder erinnerten sehr an die Tradition russischer Romanzen, waren aber frei von deren bisweilen zum Kitsch neigenden Sentimentalität. Völlig unprätentiös vermochte sie ihre mit Herzblut gestalteten musikalischen Botschaften mit einer buchstäblich verzaubernden Emotionalität spürbar zu machen und den Reichtum ihrer Seele mit dem begeisterten Publikum zu teilen, auch wenn man der jiddischen Sprache nicht mächtig war. Man hörte es an ihrer Stimme, wenn ihr Herz lachte, und man sah es an ihren Augen, wenn sie Kümmernisse besang. Zudem liebt sie offenbar Liedschlüsse, die nicht mit der Tonika enden, sondern wie Fragezeichen an den Liedern hängen, womit sie die Zuhörer auf charmante Weise aus der Passivität des „nur Zuhörens“ wie von selbst in eine mitfühlende Rolle versetzte. Bei alldem vermittelte die Sängerin eine warmherzige Freundlichkeit, um die sie mancher Popstar beneiden könnte. Und da sie nach eigener Aussage nur Lieder singt, die tief aus ihrem Herzen kommen, strahlte sie bei jedem Titel eine tiefgründige Ehrlichkeit aus, wie sie in der zeitgenössischen Konzertpraxis selten geworden ist.

Von Rolf-Dieter Diehl