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Celle Stadt Gegen braune Brühe im Silbersee
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Gegen braune Brühe im Silbersee
17:40 07.09.2018
Von oben eher bunt als braun: Das Treiben im Wasser des Celler Silbersees. Quelle: Thomas Brandt
Celle

Der Deal mit Sabine Födisch-Rüstig, die 2017 als stellvertretende Vorsitzende in den Landesvorstand der Republikaner gewählt wurde, war fast unter Dach und Fach und hätte in der Ratssitzung am Donnerstag besiegelt werden sollen. Doch als kurz vorher bekannt wurde, mit wem der Rat da Geschäfte machen sollte, leitete die Politik eine Vollbremsung ein: Man wolle verhindern, dass der Campingplatz zu einem rechten Szene-Treff werden könnte, hieß es. Braune Brühe im Silbersee? Bloß das nicht.

Indiskretion: Das Geschäft vorbereitet hatte die Stadtverwaltung, die den Campingplatz am See zwecks Haushaltskonsolidierung versilbern möchte. Derlei Grundstücksgeschäfte werden in der Regel hinter verschlossenen Türen und unter dem Siegel der Verschwiegenheit ausgehandelt. Dass die Transaktion dennoch öffentlich wurde, dafür sorgte am Donnerstag ein Facebook-Eintrag der „Partei“, in dem es hieß: „Ach, schau einer an: Der Rat der Stadt Celle steht heute vor der Entscheidung, den Campingplatz am Silbersee an jemanden zu verkaufen, der im Landesvorstand der Republikaner ist! Damit soll Celle wohl zu einem rechten Szenetreffpunkt gemacht werden!"

"Gehackt"? Normalerweise übernimmt der Ratsherr Dirk Gerlach die launigen Facebook-Posts seiner „Partei“. Dieser Post verschwand kurz nach seiner Veröffentlichung wieder aus dem Netz. Die Seite sei „gehackt“ worden, hieß es darauf seitens der "Partei". Möglich ist aber auch, dass Gerlach aufgegangen war, dass er seine Verschwiegenheitspflicht verletzt hatte und er kalte Füße bekam – vielleicht wurde er auch durch einen Anruf aus dem Rathaus darauf hingewiesen. Egal: Der Post war weg, aber das Thema stand im Raum.

Bedenken: Auf CZ-Nachfrage sagt FDP-Fraktionsvorsitzender Joachim Falkenhagen, dass er selbst am Dienstagabend Näheres über die Kaufinteressentin erfahren habe: "Ich habe in der Sitzung des Verwaltungsausschusses erstmalig gehört, dass die Bewerberin Sabine Födisch-Rüstig stellvertretende Vorsitzende der Partei Die Republikaner in Niedersachsen ist." Aus diesem Grund könne er den Beschlussvorschlag der Verwaltung zum Verkauf an die Rep-Politikerin nicht zustimmen, schreibt Falkenhagen in einer E-Mail, die er am Donnerstagmorgen an alle Fraktionsvorsitzenden sowie Oberbürgermeister Jörg Nigge (CDU) versandte. Falkenhagen: "Ich habe die große Sorge, dass mit dem Verkauf an die Bewerberin Sabine Födisch-Rüstig Tür und Tor geöffnet werden für einen zentralen Treffpunkt der rechten Szene." Daran ändert offenbar auch die Tatsache nichts, dass Födisch-Rüstig inzwischen kein Mitglied der Republikaner mehr ist und auch kein Parteiamt mehr bekleidet. 

Stutzig gemacht habe ihn unter anderem, dass die neuen Betreiber zehn neue Ferienhäuser auf dem Campingplatz einrichten wollten, so Falkenhagen. "Wenn ich das höre, dann gehen bei mir die Warnlampen an. Ich halte es für nicht ausgeschlossen, dass sich die Anlage am Silbersee zu einem Bildungszentrum für rechtes Gedankengut entwickelt." Celle habe lange Jahre als eine Stadt gegolten, die "das Odium rechter Gesinnung" ausstrahle: "Dies ist Gott sei Dank vorüber, und ich möchte auf keinen Fall, dass derartige Tendenzen in unsere Stadt erneut einziehen."

Noch mal von vorn: Natürlich besteche das Kaufangebot von 800.000 Euro – zugleich mache dies Falkenhagen aber auch nachdenklich: "Ich hielte es für richtig, wenn Gespräche mit den anderen Anbietern geführt würden, auch mit denen, die bisher nur von Pacht gesprochen haben. Hier das Gelände freihändig zu verkaufen, scheint mir unter den gegebenen Umständen nicht mehr richtig."

CDU-Fraktionschef Heiko Gevers pflichtet Falkenhagen bei: "Wir haben bereits in der Fraktionssitzung am Montag den Sachverhalt angesprochen und unsere Zweifel an der Richtigkeit einer solchen Entscheidung geäußert." "Wehret den Anfängen", meint Unabhängigen-Fraktionsvorsitzender Udo Hörstmann. "Es gibt genug Interessenten, die nicht diesen Hintergrund haben."

"Wir haben großes Interesse an dem Campingplatz und möchten diesen sowohl als Campingplatz als auch als Naherholungsgebiet der Stadt Celle weiter betreiben", bestätigt Sabine Födisch-Rüstig auf CZ-Anfrage. Sie betreibt bereits das "Angelparadies Burgdorf". Dazu würde der Silbersee gut passen. Zu ihrem politischen Engagement äußert sich Födisch-Rüstig auch auf Nachfrage nicht.

Kommando zurück: Nigge hat verstanden, woher der Wind weht: "Aufgrund der Bedenken der Politik werten wir noch einmal alle Angebote aus, unterziehen sie einer genauen Prüfung und werden sie dann dem Rat zur Entscheidung vorlegen. Wir werden uns dafür Zeit nehmen, um die für die Stadt bestmögliche Lösung zu finden."

Von Michael Ende